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Donnerstag, 29. Juli 2010Brüsseler Rettungstage - am 7. Mai wäre der Euro kollabiert
In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai stand unsere Währung vor dem Kollaps. Die Staats- und Regierungschefs der Eurostaaten tagten in Brüssel, Nicolas Sarkozy sah sich als „Retter“. Der britische Historiker Peter Ludlow hat nun die Szenen vom dramatischen Euro-Gipfel rekonstruiert.
Der Brüsseler Euro-Gipfel vom 7. Mai war ein sonderbares Ereignis. Die milliardenschwere Rettungsaktion für den Euro geschah in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai - die Menschen bekamen davon nichts mit. Im Gegenteil: Drei Tage gingen ins Land, bis den Bürgern in Europa klar wurde, dass ihre Währung offenbar zu kollabieren drohte. Das Ergebnis: Die Geburt eines gewaltigen, nie dagewesenen „Rettungspakets“ von gewaltigen 750 Milliarden Euro – Politiker, Medien und Bürger wurden von den Entwicklungen an den Finanzmärkten regelrecht überrollt. Der britische Historiker Peter Ludlow, Gründungsdirektor des namhaften Brüsseler „Centre for European Policy Studies“, hat nun eine Studie herausgebracht, die genau beschreibt, welche zum Teil heftigen Diskussionen vor und auf dem Gipfeltreffen geführt wurden („In the Last Resort. The European Council and the Euro Crisis, Spring 2010“, Eurocomment Briefing Note Vol. 7, Nr. 7/8). Ludlow ist ein alter Hase in Brüssel, seit Jahren verfasst er kenntnisreiche Berichte über die Treffen der Staats- und Regierungschefs. (wtw) Dienstag, 27. Juli 2010Wie entgehe ich der Datenraupe Facebook?
Ich facebooke, also bin ich. Mehr als eine halbe Milliarde Mitglieder hat das soziale Netzwerk inzwischen, sechs Jahre nach der Gründung. Fehlen noch rund 6,5 Milliarden Menschen rund um den Globus, aber Facebook ist auf einem guten Weg.
Schließlich bekommen schon Säuglinge ihr eigenes Profil von den netzaffinen Eltern angelegt, wehren können sich die Kleinen dagegen nicht. Künftige Klatschreporter werden es einfach haben, wenn sie die Kinderfotos frischgebackener Sternchen künftig bei Facebook nachschlagen können. Aussagen wie "Meine Nase war schon immer so gerade" sind dann einfach nachzuprüfen. Aber nicht nur Kleinkinder werden von der Datenraupe Facebook einverleibt, auch erklärte Facebook-Gegner sind nicht sicher. Die einzige Möglichkeit: Konsequent den Kontakt zu allen Facebook-Nutzern abbrechen. Denn anderenfalls könnten diese sich versucht sehen, Fotos hochzuladen und den erklärten Facebook-Abstinenten auf dem Bild zu markieren. Das Perfide: Er merkt es nicht einmal. Denn dafür müsste er ja Mitglied sein. Noch schlimmer sind Facebook-Nutzer-Freunde, die gleichzeitig ein Smartphone haben. Diese könnten in die Versuchung geraten, das sogenannte Facebook-App zu nutzen. In diesem Fall sind Sie verraten und verkauft. In den AGB heißt es: Wenn du diese Funktion aktivierst, werden alle Kontakte von deinem Handy (Name, E-Mail-Adresse, Telefonnummer) an Facebook gesendet und unterliegen dann den Datenschutzrichtlinien von Facebook. (…). Bitte stelle sicher, dass deine Freunde mit deiner Nutzung ihrer Daten einverstanden sind. Sind die Daten einmal im Netz, sind sie nicht mehr einfach zu entfernen. Damit sie gelöscht werden, muss man eine E-Mail schreiben oder das Kontaktformular nutzen. Klar oder? Zum Hochladen reicht eine kurze Synchronisation per Handy, zum Löschen muss man eine E-Mail aufsetzen. Dem Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar ist das zu bunt. Er hat ein Bußgeldverfahren gegen Facebook eingeleitet. Ob das was bringt? Wäre jedenfalls einfacher, als allen Facebook-Anhängern den Rücken zu kehren. Übrigens: Niemand zwingt einen, bei Facebook seinen wahren Namen anzugeben. Doch die Pseudonym-Outing-App kommt bestimmt. (cb) Donnerstag, 22. Juli 2010Klare Worte für Verbraucher
Schön transparent, leicht verständlich und verbraucherfreundlich sollten sie werden, die Bankgeschäfte. Ja, das war die Absicht der geistigen Väter und Mütter der Verbraucherkreditrichtlinie. Deshalb fing man bereits beim Namen an und führte diesen Vorsatz bei den Stellen fort, an denen man die einzelnen neuen Vorschriften versteckte. Man nannte es "Gesetz zur Umsetzung der Verbraucherkreditrichtlinie, des zivilrechtlichen Teils der Zahlungsdiensterichtlinie sowie zur Neuordnung der Vorschriften über das Widerrufs- und Rückgaberecht". Das ist doch schon mal ein unheimlich eingängiger Titel.
Und weil man gerade so in Fahrt war, verteilte man die neuen Vorschriften im Bürgerlichen Gesetzbuch, im Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch, im Unterlassungsklagengesetz, in der Schlichtungsstellenverfahrensordnung, im Bundesdatenschutzgesetz, in der Preisangabenverordnung, im Kreditwesengesetz, in der BGB-Informationspflichten-Verordnung und im Versicherungsvertragsgesetz. Natürlich wurde auch auf diverse Anhänge nicht verzichtet. Und dort wurde in schlichter Klarheit formuliert, zum Beispiel die Berechnung des effektiven Jahreszinses. Das liest sich dann so: "Bei Verträgen, bei denen die Sollzinsen vor der für die Rückzahlung bestimmten Zeit endet und nach deren Ende ein neuer, veränderlicher Sollzinssatz vereinbart wird, der in regelömäßigen Abständen nach einem vereinbarten Index oder Referenzzinssatz angepasst wird, wird angenommen, dass der Sollzinssatz nach Ablauf der Sollzinsbindung dem Sollzinssatz entspricht, der sich aus dem Wert des vereinbarten Indexes oder Referenzzinssatzes zum Zeitpunkt der Berechnung des effektiven Jahreszinses ergibt". So heißt es klar und verständlich in Anhang 2 dieses schönen Gesetzes. (mp) Dienstag, 20. Juli 2010Krake GEZDie Gebühreneinzugszentrale, kurz GEZ, ist uns zwar nicht lieb, aber zumindest teuer: 3,87 Euro zahlt jeder Gemeldete für die Arbeit der 1.125 Kölner Gebühreneintreiber, damit die öffentlich-rechtlichen Anstalten auch über die Mittel verfügen, um entgegen ihrem Sendungsauftrag sich weiterhin im Internet ausbreiten zu können. Rund 7,26 Milliarden Euro leitet die GEZ an die Öffentlich-Rechtlichen, damit diese sich den Großjournalisten Günter Jauch für knapp 4.500 Euro pro Minute leisten können. Und uns dennoch weiterhin in der an sich werbefreien Zeit mit "Diese Sendung wird präsentiert von..." nerven können. Die Zahlen hat übrigens das Medienmagazin "Journalist" zusammengetragen. (mp) Dienstag, 22. Juni 2010Bankenabgabe - ein Symbol?
Welchen Aussagewert Prognosen der Wissenschaft, also der Herren Sinn & Co haben, ist in Rückblicken hinreichend belegt - kaum einen. Dennoch sind Professoren gerne Gesprächspartner, so heute auch in der stets informativen Radiowelt von Bayern 2: Was er von einer Bankenabgabe halte, wurde Professor Rolf J. Langhammer vom Kieler Institut für Weltwirtschaft gefragt. Die Schweiz und England hätten solche Abgaben ja, sie hätten diesen Finanzplätzen auch nicht geschadet, referierte Langhammer. Um dann allerdings die gewagte Wendung zu nehmen, dass er eine Bankenabgabe in Deutschland für "Symbolpolitik" halte. Denn sie brächte ja allenfalls eine Milliarde Euro. Er hätte hinzufügen sollen: Aber das ist eine Frage der Perspektive... (mp)
Donnerstag, 17. Juni 2010Aktienkurse jetzt wieder in D-Mark
Aufgrund der Eurokrise wünschen sich viele Anleger die D-Mark zurück. Ein Börsenportal kommt diesem Wunsch jetzt entgegen. Den Aktienkursen ist das Währungs-Hickhack egal.
Ökonomen und Anleger läuten die Totenglocken für den Euro und erwarten über kurz oder lang eine Rückkehr zur D-Mark. So zeigten sich in einer Umfrage des Anlegerportals börsennews.de knapp 40 Prozent der Nutzer überzeugt, das die Wiedereinführung der D-Mark nur eine Frage der Zeit sei. In das gleiche Horn bläst der ehemalige Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Hans-Olaf Henkel, der offen für die Abschaffung des Euro eintritt. Die findigen Macher von Börsennews.de scheinen ebenfalls dieser Ansicht und zeigen nunmehr „auf Wunsch vieler Bürger nach wirtschaftlicher Sicherheit“ die Aktienkurse auf ihrer Website sowohl in Euro als auch in D-Mark an. Ob die Portalbetreiber mit der dualen Währungsdarstellung für mehr Klarheit bei ihren Anlegern sorgen oder im Endeffekt nicht Verwirrung stiften, wird sich zeigen. Den Aktienkursen ist das doppelte Spiel reichlich egal: Sie fallen oder steigen gleich viel – egal in welcher Währung die Kursänderungen dargestellt werden. (mg) Montag, 14. Juni 2010Aufhören!Aufhören - das wünschte man sich in der fußballerischen Betonzeit, als unter Erich Ribbeck die deutsche Nationalmannschaft eine wahre Dürrephase durchlitt. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei, seitdem "die Mannschaft" eine solche technische Virtuosität auf das gepflegte Grün zaubert, dass man geneigt ist, die Trikots mit dem deutschen Adler für Fälschungen zu halten. Nein, dass etwas aufhören möge, wünschen sich viele in den Medien an anderer Stelle: "Aufhören" betitelt der Spiegel heute seine aktuelle Ausgabe, auf der Kanzlerin und Vizekanzler zu sehen sind. Die Wirtschaftswoche titelt "Angela Merkel - war's das?". Nur der Focus, der sich irgendwie auch als politisches Magazin versteht, rückt einen anderen wichtigen Aspekt unserer Gegenwart ins Blickfeld: "Hilfe für den Rücken" ist den Münchnern eindeutig wichtiger. Vielleicht aber doch eine Metapher für mehr "Rückgrat" (spina dorsalis) in der Politik? Damit hätten wir den Beweis, dass man in München auch durchaus feinsinnig sein kann. (mp) Donnerstag, 10. Juni 2010In der EndlosschleifeDa denkt man, es ist vorbei, da fängt es wieder von vorne an. So wie in der Endlosschleife ergeht es einem derzeit, wenn man nach Berlin blickt. Jedem pompös angekündigten Neuanfang der laut CSU-FDP-Einschätzung "Wildsau-Gurkentruppen"-Koalition folgt binnen weniger Tage der Rückfall. Diesmal traf es den ewigen Weinbauminister Rainer Brüderle, dessen "Nein" zur Opel-Subvention prompt von der Kanzlerin kassiert wurde. Das ist schon bitter: Da sagt einmal ein FDP-Minister etwas Richtiges - und dann ist es doch falsch. Schade nur, dass sich dieses Trauerspiel an der Spitze unseres Staates abspielt und nicht in irgendeiner Klitsche, die dann wegen Mißwirtschaft einfach Insolvenz anmeldet und von der Bildfläche verschwindet. Ich glaube, den wenigsten ist wirklich das Ausmaß des Schadens bewußt, den die Politik (und letztlich dieser Staat) in den vergangenen Wochen mit Bundespräsidenten-Rücktritt und anschließender Kandidaten-Geschacher, mit den zutiefst ungerechten Sparplänen, den koalitionsinternen Beschimpfungen, den ewigen Neuanfängen einer plan- und ziellosen Bundesregierung erlitten hat. Wir halten uns hier normalerweise mit politischen Statements zurück. Aber ein Wunsch wird von Tag zu Tag stärker: Dass diese Endlosschliefe bald doch ein Ende haben möge. (mp) Montag, 7. Juni 2010Heute: StreichkonzertEs ist keinen Monat her, da schwadronierte man regierungsseitig noch über Steuersenkungen. Wie schnelllebig solche koalitionsvertraglich verankerten Absichten sind, zeigt der heutige Tag, an dem die "Regierungsklausur" endete. Denn heute war Streichkonzert: Elterngeld gekürzt, kein Elterngeld mehr für Hartz-IV-Bezieher, nationale ökologische Luftverkehrsabgabe (ein verkappter dritter Mehrwertsteuersatz?), kein Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger, Einfrieren des Weihnachtsgeldes für Beamte sind die wesentlichen Eckpunkte. Und, man achtet auf die Balance, eine vage Absichtserklärung, Banken an den Kosten der Krise zu beteiligen („Die Bundesregierung wird zügig die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Bankenabgabe schaffen...“). (mp) Dienstag, 1. Juni 2010Wo lagert der Bürgerliche?Im Zusammenhang mit der Amtsflucht des "Herrn Bundespräsidenten", wie es der Herr Vizekanzler immer so musterschülerhaft formuliert, ist plötzlich die Bundesversammlung wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Und prompt hat sich auch der bislang insofern unverdächtige Spiegel der doch recht dumpfen "Lagertheorie" angeschlossen und die Bundesversammlung in Lager getrennt, nämlich das "linke Lager" und das "bürgerliche Lager". Da kann man als Staatsbürger nur auf die Anmerkung von Burkhard Hirsch, dem letzten aktiven intellektuellen Liberalen, verweisen, der laut Spiegel im Januar 2008 sagte: “Die Konservativen können nicht für sich beanspruchen, festzulegen, wer Bürger dieses Landes ist. Da stehen mir die Haare zu Berge, das ist vergorener Quatsch aus dem 19. Jahrhundert”. Denn, eines sollte man sich angesichts solcher semantischer Ausgrenzungsversuche klar machen: In der Demokratie sind wir doch alle Bürger. (mp) Dienstag, 1. Juni 2010Welche Länder schon Bankrott gemacht haben
Die Staatsschuldenkrise rund um Griechenland und die Turbulenzen um den Euro dauern an. Doch auch Spanien, Portugal, Irland und Italien sorgen zunehmend für Unruhe unter den Finanzmarktakteuren. Gänzlich neu sind solche Sorgen nicht, wie der Blick in die Geschichte zeigt, meint Bernhard Spittaler, Dachfondsmanager der Schoellerbank Invest AG:
Den ersten dokumentierten Staatsbankrott gab es bereits im 4. Jahrhundert vor Christus. Damals vermochten griechische Stadtstaaten Gelder, die ihnen ein Tempel geliehen hatte, nicht mehr zurückzuzahlen. In den letzten 200 Jahren hat Griechenland weitere fünf Pleiten erlebt. Russland war in dieser Zeitspanne ebenfalls ganze fünf Mal zahlungsunfähig. In der Türkei und Portugal stehen sechs, in Ungarn sieben, in Deutschland acht und in Spanien sogar dreizehn Staatspleiten zu Buche. Prominente Insolvente im Mittelalter und der frühen Neuzeit: England und Spanien Die englische Krone sorgte für den ersten großen Staatsbankrott in Europa. 1340 konnte der englische König Edward III. nach einer gescheiterten Frankreich-Invasion seine Schulden bei diversen italienischen Bankiers nicht mehr tilgen. 1672 stellte auch Karl II. aufgrund der enormen Außenstände die Zahlungen an die Gläubiger ein. Nach der Revolution von 1688 bildete sich in England ein durchaus erfolgreicher Anleihenmarkt heraus, welcher von sogenannten „Consols“ (ewige britische Staatsanleihen) geprägt war - wobei dieser sehr liquide Markt kriegsbedingt ebenfalls von sehr starken Schwankungen begleitet wurde. Ein wesentlicher Faktor, warum in der Vergangenheit das Vertrauen in die Finanzkraft anderer Staaten schon des Öfteren wankte, war eine stark steigende Geldmenge. So machten die Spanier im 16. Jahrhundert erste negative Erfahrungen mit dieser Thematik. Damals war Silber, das im ehemaligen Inkareich abgebaut und importiert wurde, ein von der Regierung häufig verwendetes Zahlungsmittel. Große Flotten von bis zu 100 Schiffen brachten das Edelmetall auf das spanische Festland. Die Könige ließen für ihre Eroberungskriege derart viel Silber fördern, dass es dramatisch an Wert verlor bzw. enorm an Kaufkraft einbüßte. Die Finanzprobleme Spaniens Spanien hatte im 16. und 17. Jahrhundert durchgängig ein mehr oder weniger großes Finanzproblem. Die Zahlungen an Gläubiger wurden in diesem Zeitraum neun Mal ganz oder teilweise eingestellt. Die Finanzgebarung war eine einzige Katastrophe. Von 1556 bis 1598 saß Philipp II. von Spanien am Ruder der Macht. Unter ihm waren bis zu 90 Prozent des Staatshaushaltes für Militärausgaben reserviert. Generell ist festzuhalten, dass sich Staaten in der Neuzeit immer wieder hoch verschuldet haben. In erster Linie dienten diese Defizite als Kriegsfinanzierung oder für das aufwändige Leben des jeweiligen Herrschers. Als Deutschland zahlungsunfähig wurde Deutschland war beispielsweise 1923 zahlungsunfähig. Die Ausgangspunkte für diesen Bankrott finden sich in sehr hohen Reparationszahlungen nach dem 1. Weltkrieg sowie in einer ungenügenden Besteuerung (höhere Einkommensschichten weigerten sich, die ihnen auferlegten Steuern zu bezahlen) und in übermäßigen Ausgaben für den öffentlichen Dienst wieder. Dies mündete in einer galoppierenden Inflation, zumal führende Politiker damals keinen Anlass sahen, die Geld- und Steuerpolitik zu stabilisieren. Um einen Einkauf zu erledigen, trugen die Bürger Millionen von Reichsmark in Schachteln mit sich herum. Als Notlösung kam es zur Auflage der Rentenmark. Wie bei jeder Geldentwertung profitierten auch damals grundsätzlich die Schuldner, während die Sparer fast vollständig auf der Strecke blieben. Asienkrise machte Russland zahlungsunfähig Im Zuge der Asienkrise 1997 kam Russland in Bedrängnis. Der stark gefallene Ölpreis brachte die Staatseinnahmen gehörig unter Druck. Die Auswirkungen der Asienkrise ließen Anleger damals befürchten, dass sich die Lage in Russland ähnlich entwickeln könnte, wie in den wirtschaftlichen Problemzonen Thailand, Malaysia, Indonesien und den Philippinen. Daraufhin kam es zu einem gewaltigen Kapitalabfluss und schließlich konnte Russland mehr als 40 Milliarden US-Dollar Schulden nicht mehr bedienen – der Rubel wurde um über 70 Prozent abgewertet. Wie Argentinien in die Pleite schlitterte Argentinien ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Land durch wirtschaftspolitisches Missmanagement in Schwierigkeiten kommen kann. Noch 1913 gehörte das südamerikanische Land zu den zehn reichsten Ländern der Welt. Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts war die Wirtschaft zeitweise schneller gewachsen als in den USA oder Deutschland. Ab 1945 hinkte Argentinien vielen anderen Ländern hinterher, so Spittaler. Der Hauptgrund lag in einer fast stetig hohen, hausgemachten Inflation von 1945 bis 1990 mit ihrem Höhepunkt von 5.000 Prozent im Jahr 1989. 1991 gab es in Argentinien mit dem neuen „Peso Convertible“ die sechste Währungsreform innerhalb von 100 Jahren. Auch diese Umschichtungsaktion war letztlich zum Scheitern verurteilt, da die Auslandsschulden in den 90er Jahren aufgrund der mangelhaften Haushaltspolitik immer stärker anstiegen, bis sich der Internationale Währungsfonds Ende 2001 weigerte, weitere Hilfsleistungen zur Verfügung zu stellen. Daraufhin kam es zu Zahlungseinstellungen. Ein Großteil der Gläubiger gab sich, wohl oder übel, mit einem Umtausch zufrieden, der ihr Vermögen um 67 Prozent beschnitt (im Fachjargon bezeichnet man diese Maßnahme als „Haircut“). (ejf) Dienstag, 18. Mai 2010Kein Konto, keine Chance
Rund eine halbe Million Deutsche leben ohne Bankkonto, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Das klingt vielleicht zunächst weniger erschreckend als so manche andere Zahl, wie beispielsweise die 2,4 Millionen Kinder in Deutschland, die laut Bundesfamilienministerium armutsgefährdet sind, oder die acht Millionen Deutschen, die nicht richtig lesen und schreiben können.
Ein Konto ist ja nichts essentielles. Oder doch? Auf der Abwärtsspirale nimmt man ohne Konto rasch an Fahrt auf: Denn welcher Arbeitgeber stellt schon jemanden ein, der bar bezahlt werden muss? Welcher Vermieter akzeptiert Mieter ohne Konto? Zudem ist das Leben ohne Bankkonto teuer: Jede Überweisung, die bei der Bank bar eingezahlt wird, kostet. Selbst die Bundesagentur für Arbeit behält Geld für die Barauszahlung ein. Eigentlich sollte es dieses Problem längst nicht mehr geben. Denn seit 1995 haben sich Banken und Sparkassen verpflichtet, ein Konto auf Guthabenbasis anzubieten. Doch nicht immer geht dies problemlos. Der Gesetzgeber hofft durch das ab Juli vorgeschriebene Pfändungsschutzkonto (P-Konto) Abhilfe zu schaffen, auf dem rund 1.000 Euro vor dem Zugriff von Gläubigern geschützt sind. Bislang kündigten Banken häufig „leere“ Konten. Besteht aber gar kein Konto mehr, hilft das neue Modell auch nichts. Ob wohl die Saalesparkasse noch kurz vor knapp ein paar Kunden, die möglicherweise ihr Konto in ein P-Konto umwandeln würden, loswerden oder an ihnen besser verdienen möchte? Jedenfalls kündigt sie für ihr Girokonto eine Gebührenerhöhung von 2,50 Euro auf zwölf Euro pro Monat an. Das berichtet das Institut für Finanzdienstleistungen e.V. (IFF). Wer das fast fünfmal so hohe Entgelt ablehnt, dem wird das Konto gekündigt. Die meisten kostenlosen Girokonten in Deutschland sind an einen bestimmten Gehaltseingang gebunden und/oder werden per Online-Banking geführt – schlechte Bedingungen für die Ärmsten der Gesellschaft. Traurig, dass es kein Recht auf ein Konto gibt. Aufwand und Kosten für ein Guthabenkonto ohne Schnickschnack, das jedes Geldhaus gegen geringe oder keine Gebühren im Angebot haben müsste, dürften für Banken vergleichsweise gering sein („Peanuts“). Die Betroffenen sind ohne Konto jedoch von der Teilnahme am normalen Wirtschaftsleben abgeschlossen. (sf) Montag, 17. Mai 20101,22 Dollar am MontagmorgenSo billig war er seit April 2006 nicht mehr - unser schöner Euro: Heute morgen notierte er bei 1,2237 Dollar. Tendenz fallend. Und so vermengen sich Schuldenkrise der Südstaaten, Ackermanns Griechenland-Anmerkungen, die "Wucht" des Notfallpakets, die Macht der Spekulanten zu einer immer schwierigeren Gemengelage. (mp) Donnerstag, 6. Mai 2010Die 6.000-Euro-BlamageGestern abend habe ich endlich die Steuerpläne der FDP verstanden. Auf die Frage, um wieviel die Verschuldung der Bundesrepublik im Laufe der 75 Minuten dauernden ARD-Sendung "Hart aber fair" gewachsen sei, antwortete Silvana Koch-Mehrin: 6.000 Euro seien mehr auf der Schuldenuhr. Das wäre ja alles nicht so schlimm, wenn Koch-Mehrin - sagen wir - Moderatorin einer Kochsendung oder Autorennfahrerin wäre. Ist sie aber nicht, sondern Vize-Präsidentin des Europaparlaments und Mitglied des Präsidiums der FDP. Und da wurde mir plötzlich klar, wie groß das Desinteresse der FDP an der Realität ist oder wie tief die Ahnungslosigkeit in dieser selbst ernannten Wirtschaftspartei (und Steuersenker-Kampftruppe) verwurzelt sein muss. Die heute veröffentlichte Steuerschätzung geht von 39 Milliarden Euro Mindereinnahmen binnen drei Jahren aus. Die richtige Antwort auf die Schuldenuhr-Frage lautet übrigens: knapp 20 Millionen Euro. (mp) Montag, 3. Mai 2010Türkische Bank im Einsatz für die deutsche Sprache
Als Journalistin, die sich der Pflege der deutschen Sprache verpflichtet fühlt, kann einem bei mancher Marketing-Wortkreation und –Schreibweise schon mal ein eiskalter Schauer über den Rücken laufen.
Das wohl schönste Beispiel: Der Rucksack, der von einem Hersteller als „Body Bag“ beworben wurde, um ihm wohl ein frischeres Anmuten zu verpassen. Unglücklicherweise bedeutet der Begriff im englischen Sprachgebrauch jedoch „Leichensack“. An manch dämliches Denglisch hat man sich längst gewöhnt. Schließlich lebt die deutsche Sprache, verändert sich und auch in vergangener Zeit haben Sprachkritiker beispielsweise Entlehnungen aus dem Französischen bemängelt. Wer möchte aber heute noch zu einem köstlichen Baguette Stangenbrot sagen oder sein Auto in einem Autohäuschen statt in der Garage parken? Dennoch: Gerade die Namen, die so manche Bank ihren Konten verpasst, sorgen in unserer Redaktion regelmäßig für Kopfschütteln und für eine echte Herausforderung, sie in eine der deutschen Rechtschreibung verpflichtete Schreibweise zu überführen. Die Konten sind „super“ (Santander Direkt-Bank: „Tagesgeld SuperKonto“), bieten vorgeblich Top- oder noch mehr Zinsen (NIBC-Direct: Tagesgeld Mehr.Zins.Konto). Bei der indischen ICICI-Bank fragt man sich, ob das „Hi“ beim „HiZins Tagesgeld“ als Begrüßungsformel herhalten oder auf einen mehr oder minder hohen Zins deuten soll. Einen erfrischenden Schritt ist nun die türkische Ziraat-Bank gegangen: Aus ihrem „Ziraat@ctiveBanking (Tagesgeld)“ wurde das „Kombikonto“, aus dem „ZiraatFestgeld“ einfach „Festgeld“ und der „ZiraatWunschkredit“ zum „Ratenkredit“. Das könnte sich beispielsweise 1822 direkt, eine Tochter der Frankfurter Sparkasse, mit ihrem „Tagesgeld 1822direkt-ZinsCash“ zum Vorbild nehmen... (sf)
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Mo, 19.07.2010 21:11
Eine Bankenabgabe würde ja eh "nur ca. eine Milliarde Euro" in die marode Haushaltskasse spülen, also "gar nicht [...]
Mi, 23.06.2010 09:59
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Mo, 07.06.2010 19:07
in Stuttgart lehnen sie Arbeitslose auch ab.