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Dienstag, 22. Juni 2010Bankenabgabe - ein Symbol?
Welchen Aussagewert Prognosen der Wissenschaft, also der Herren Sinn & Co haben, ist in Rückblicken hinreichend belegt - kaum einen. Dennoch sind Professoren gerne Gesprächspartner, so heute auch in der stets informativen Radiowelt von Bayern 2: Was er von einer Bankenabgabe halte, wurde Professor Rolf J. Langhammer vom Kieler Institut für Weltwirtschaft gefragt. Die Schweiz und England hätten solche Abgaben ja, sie hätten diesen Finanzplätzen auch nicht geschadet, referierte Langhammer. Um dann allerdings die gewagte Wendung zu nehmen, dass er eine Bankenabgabe in Deutschland für "Symbolpolitik" halte. Denn sie brächte ja allenfalls eine Milliarde Euro. Er hätte hinzufügen sollen: Aber das ist eine Frage der Perspektive... (mp)
Donnerstag, 17. Juni 2010Aktienkurse jetzt wieder in D-Mark
Aufgrund der Eurokrise wünschen sich viele Anleger die D-Mark zurück. Ein Börsenportal kommt diesem Wunsch jetzt entgegen. Den Aktienkursen ist das Währungs-Hickhack egal.
Ökonomen und Anleger läuten die Totenglocken für den Euro und erwarten über kurz oder lang eine Rückkehr zur D-Mark. So zeigten sich in einer Umfrage des Anlegerportals börsennews.de knapp 40 Prozent der Nutzer überzeugt, das die Wiedereinführung der D-Mark nur eine Frage der Zeit sei. In das gleiche Horn bläst der ehemalige Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Hans-Olaf Henkel, der offen für die Abschaffung des Euro eintritt. Die findigen Macher von Börsennews.de scheinen ebenfalls dieser Ansicht und zeigen nunmehr „auf Wunsch vieler Bürger nach wirtschaftlicher Sicherheit“ die Aktienkurse auf ihrer Website sowohl in Euro als auch in D-Mark an. Ob die Portalbetreiber mit der dualen Währungsdarstellung für mehr Klarheit bei ihren Anlegern sorgen oder im Endeffekt nicht Verwirrung stiften, wird sich zeigen. Den Aktienkursen ist das doppelte Spiel reichlich egal: Sie fallen oder steigen gleich viel – egal in welcher Währung die Kursänderungen dargestellt werden. (mg) Montag, 14. Juni 2010Aufhören!Aufhören - das wünschte man sich in der fußballerischen Betonzeit, als unter Erich Ribbeck die deutsche Nationalmannschaft eine wahre Dürrephase durchlitt. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei, seitdem "die Mannschaft" eine solche technische Virtuosität auf das gepflegte Grün zaubert, dass man geneigt ist, die Trikots mit dem deutschen Adler für Fälschungen zu halten. Nein, dass etwas aufhören möge, wünschen sich viele in den Medien an anderer Stelle: "Aufhören" betitelt der Spiegel heute seine aktuelle Ausgabe, auf der Kanzlerin und Vizekanzler zu sehen sind. Die Wirtschaftswoche titelt "Angela Merkel - war's das?". Nur der Focus, der sich irgendwie auch als politisches Magazin versteht, rückt einen anderen wichtigen Aspekt unserer Gegenwart ins Blickfeld: "Hilfe für den Rücken" ist den Münchnern eindeutig wichtiger. Vielleicht aber doch eine Metapher für mehr "Rückgrat" (spina dorsalis) in der Politik? Damit hätten wir den Beweis, dass man in München auch durchaus feinsinnig sein kann. (mp) Donnerstag, 10. Juni 2010In der EndlosschleifeDa denkt man, es ist vorbei, da fängt es wieder von vorne an. So wie in der Endlosschleife ergeht es einem derzeit, wenn man nach Berlin blickt. Jedem pompös angekündigten Neuanfang der laut CSU-FDP-Einschätzung "Wildsau-Gurkentruppen"-Koalition folgt binnen weniger Tage der Rückfall. Diesmal traf es den ewigen Weinbauminister Rainer Brüderle, dessen "Nein" zur Opel-Subvention prompt von der Kanzlerin kassiert wurde. Das ist schon bitter: Da sagt einmal ein FDP-Minister etwas Richtiges - und dann ist es doch falsch. Schade nur, dass sich dieses Trauerspiel an der Spitze unseres Staates abspielt und nicht in irgendeiner Klitsche, die dann wegen Mißwirtschaft einfach Insolvenz anmeldet und von der Bildfläche verschwindet. Ich glaube, den wenigsten ist wirklich das Ausmaß des Schadens bewußt, den die Politik (und letztlich dieser Staat) in den vergangenen Wochen mit Bundespräsidenten-Rücktritt und anschließender Kandidaten-Geschacher, mit den zutiefst ungerechten Sparplänen, den koalitionsinternen Beschimpfungen, den ewigen Neuanfängen einer plan- und ziellosen Bundesregierung erlitten hat. Wir halten uns hier normalerweise mit politischen Statements zurück. Aber ein Wunsch wird von Tag zu Tag stärker: Dass diese Endlosschliefe bald doch ein Ende haben möge. (mp) Montag, 7. Juni 2010Heute: StreichkonzertEs ist keinen Monat her, da schwadronierte man regierungsseitig noch über Steuersenkungen. Wie schnelllebig solche koalitionsvertraglich verankerten Absichten sind, zeigt der heutige Tag, an dem die "Regierungsklausur" endete. Denn heute war Streichkonzert: Elterngeld gekürzt, kein Elterngeld mehr für Hartz-IV-Bezieher, nationale ökologische Luftverkehrsabgabe (ein verkappter dritter Mehrwertsteuersatz?), kein Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger, Einfrieren des Weihnachtsgeldes für Beamte sind die wesentlichen Eckpunkte. Und, man achtet auf die Balance, eine vage Absichtserklärung, Banken an den Kosten der Krise zu beteiligen („Die Bundesregierung wird zügig die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Bankenabgabe schaffen...“). (mp) Dienstag, 1. Juni 2010Wo lagert der Bürgerliche?Im Zusammenhang mit der Amtsflucht des "Herrn Bundespräsidenten", wie es der Herr Vizekanzler immer so musterschülerhaft formuliert, ist plötzlich die Bundesversammlung wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Und prompt hat sich auch der bislang insofern unverdächtige Spiegel der doch recht dumpfen "Lagertheorie" angeschlossen und die Bundesversammlung in Lager getrennt, nämlich das "linke Lager" und das "bürgerliche Lager". Da kann man als Staatsbürger nur auf die Anmerkung von Burkhard Hirsch, dem letzten aktiven intellektuellen Liberalen, verweisen, der laut Spiegel im Januar 2008 sagte: “Die Konservativen können nicht für sich beanspruchen, festzulegen, wer Bürger dieses Landes ist. Da stehen mir die Haare zu Berge, das ist vergorener Quatsch aus dem 19. Jahrhundert”. Denn, eines sollte man sich angesichts solcher semantischer Ausgrenzungsversuche klar machen: In der Demokratie sind wir doch alle Bürger. (mp) Dienstag, 1. Juni 2010Welche Länder schon Bankrott gemacht haben
Die Staatsschuldenkrise rund um Griechenland und die Turbulenzen um den Euro dauern an. Doch auch Spanien, Portugal, Irland und Italien sorgen zunehmend für Unruhe unter den Finanzmarktakteuren. Gänzlich neu sind solche Sorgen nicht, wie der Blick in die Geschichte zeigt, meint Bernhard Spittaler, Dachfondsmanager der Schoellerbank Invest AG:
Den ersten dokumentierten Staatsbankrott gab es bereits im 4. Jahrhundert vor Christus. Damals vermochten griechische Stadtstaaten Gelder, die ihnen ein Tempel geliehen hatte, nicht mehr zurückzuzahlen. In den letzten 200 Jahren hat Griechenland weitere fünf Pleiten erlebt. Russland war in dieser Zeitspanne ebenfalls ganze fünf Mal zahlungsunfähig. In der Türkei und Portugal stehen sechs, in Ungarn sieben, in Deutschland acht und in Spanien sogar dreizehn Staatspleiten zu Buche. Prominente Insolvente im Mittelalter und der frühen Neuzeit: England und Spanien Die englische Krone sorgte für den ersten großen Staatsbankrott in Europa. 1340 konnte der englische König Edward III. nach einer gescheiterten Frankreich-Invasion seine Schulden bei diversen italienischen Bankiers nicht mehr tilgen. 1672 stellte auch Karl II. aufgrund der enormen Außenstände die Zahlungen an die Gläubiger ein. Nach der Revolution von 1688 bildete sich in England ein durchaus erfolgreicher Anleihenmarkt heraus, welcher von sogenannten „Consols“ (ewige britische Staatsanleihen) geprägt war - wobei dieser sehr liquide Markt kriegsbedingt ebenfalls von sehr starken Schwankungen begleitet wurde. Ein wesentlicher Faktor, warum in der Vergangenheit das Vertrauen in die Finanzkraft anderer Staaten schon des Öfteren wankte, war eine stark steigende Geldmenge. So machten die Spanier im 16. Jahrhundert erste negative Erfahrungen mit dieser Thematik. Damals war Silber, das im ehemaligen Inkareich abgebaut und importiert wurde, ein von der Regierung häufig verwendetes Zahlungsmittel. Große Flotten von bis zu 100 Schiffen brachten das Edelmetall auf das spanische Festland. Die Könige ließen für ihre Eroberungskriege derart viel Silber fördern, dass es dramatisch an Wert verlor bzw. enorm an Kaufkraft einbüßte. Die Finanzprobleme Spaniens Spanien hatte im 16. und 17. Jahrhundert durchgängig ein mehr oder weniger großes Finanzproblem. Die Zahlungen an Gläubiger wurden in diesem Zeitraum neun Mal ganz oder teilweise eingestellt. Die Finanzgebarung war eine einzige Katastrophe. Von 1556 bis 1598 saß Philipp II. von Spanien am Ruder der Macht. Unter ihm waren bis zu 90 Prozent des Staatshaushaltes für Militärausgaben reserviert. Generell ist festzuhalten, dass sich Staaten in der Neuzeit immer wieder hoch verschuldet haben. In erster Linie dienten diese Defizite als Kriegsfinanzierung oder für das aufwändige Leben des jeweiligen Herrschers. Als Deutschland zahlungsunfähig wurde Deutschland war beispielsweise 1923 zahlungsunfähig. Die Ausgangspunkte für diesen Bankrott finden sich in sehr hohen Reparationszahlungen nach dem 1. Weltkrieg sowie in einer ungenügenden Besteuerung (höhere Einkommensschichten weigerten sich, die ihnen auferlegten Steuern zu bezahlen) und in übermäßigen Ausgaben für den öffentlichen Dienst wieder. Dies mündete in einer galoppierenden Inflation, zumal führende Politiker damals keinen Anlass sahen, die Geld- und Steuerpolitik zu stabilisieren. Um einen Einkauf zu erledigen, trugen die Bürger Millionen von Reichsmark in Schachteln mit sich herum. Als Notlösung kam es zur Auflage der Rentenmark. Wie bei jeder Geldentwertung profitierten auch damals grundsätzlich die Schuldner, während die Sparer fast vollständig auf der Strecke blieben. Asienkrise machte Russland zahlungsunfähig Im Zuge der Asienkrise 1997 kam Russland in Bedrängnis. Der stark gefallene Ölpreis brachte die Staatseinnahmen gehörig unter Druck. Die Auswirkungen der Asienkrise ließen Anleger damals befürchten, dass sich die Lage in Russland ähnlich entwickeln könnte, wie in den wirtschaftlichen Problemzonen Thailand, Malaysia, Indonesien und den Philippinen. Daraufhin kam es zu einem gewaltigen Kapitalabfluss und schließlich konnte Russland mehr als 40 Milliarden US-Dollar Schulden nicht mehr bedienen – der Rubel wurde um über 70 Prozent abgewertet. Wie Argentinien in die Pleite schlitterte Argentinien ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Land durch wirtschaftspolitisches Missmanagement in Schwierigkeiten kommen kann. Noch 1913 gehörte das südamerikanische Land zu den zehn reichsten Ländern der Welt. Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts war die Wirtschaft zeitweise schneller gewachsen als in den USA oder Deutschland. Ab 1945 hinkte Argentinien vielen anderen Ländern hinterher, so Spittaler. Der Hauptgrund lag in einer fast stetig hohen, hausgemachten Inflation von 1945 bis 1990 mit ihrem Höhepunkt von 5.000 Prozent im Jahr 1989. 1991 gab es in Argentinien mit dem neuen „Peso Convertible“ die sechste Währungsreform innerhalb von 100 Jahren. Auch diese Umschichtungsaktion war letztlich zum Scheitern verurteilt, da die Auslandsschulden in den 90er Jahren aufgrund der mangelhaften Haushaltspolitik immer stärker anstiegen, bis sich der Internationale Währungsfonds Ende 2001 weigerte, weitere Hilfsleistungen zur Verfügung zu stellen. Daraufhin kam es zu Zahlungseinstellungen. Ein Großteil der Gläubiger gab sich, wohl oder übel, mit einem Umtausch zufrieden, der ihr Vermögen um 67 Prozent beschnitt (im Fachjargon bezeichnet man diese Maßnahme als „Haircut“). (ejf)
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Mo, 06.09.2010 12:57
Mann Leute, lest doch mal genau! Da steht doch, dass der Blog kein Diskussionsbeitrag zu den Thesen von Sarrazin i [...]
Mo, 06.09.2010 12:53
Guten Tag, Meine bekannten und ich haben die gleiche Meinung wie Herr Sarrazin dieser Mann hat recht, nur unse [...]
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