Rund eine
halbe Million Deutsche leben ohne Bankkonto, berichtet die
Süddeutsche Zeitung. Das klingt vielleicht zunächst weniger erschreckend als so manche andere Zahl, wie beispielsweise die 2,4 Millionen Kinder in Deutschland, die laut Bundesfamilienministerium armutsgefährdet sind, oder die acht Millionen Deutschen, die nicht richtig lesen und schreiben können.
Ein Konto ist ja nichts essentielles. Oder doch? Auf der Abwärtsspirale nimmt man ohne Konto rasch an Fahrt auf: Denn welcher Arbeitgeber stellt schon jemanden ein, der bar bezahlt werden muss? Welcher Vermieter akzeptiert Mieter ohne Konto? Zudem ist das
Leben ohne Bankkonto teuer: Jede Überweisung, die bei der Bank bar eingezahlt wird, kostet. Selbst die Bundesagentur für Arbeit behält Geld für die Barauszahlung ein.
Eigentlich sollte es dieses Problem längst nicht mehr geben. Denn seit 1995 haben sich Banken und Sparkassen verpflichtet, ein
Konto auf Guthabenbasis anzubieten. Doch nicht immer geht dies problemlos. Der Gesetzgeber hofft durch das ab Juli vorgeschriebene
Pfändungsschutzkonto (P-Konto) Abhilfe zu schaffen, auf dem rund 1.000 Euro vor dem Zugriff von Gläubigern geschützt sind. Bislang kündigten Banken häufig „leere“ Konten. Besteht aber gar kein Konto mehr, hilft das neue Modell auch nichts.
Ob wohl die Saalesparkasse noch kurz vor knapp ein paar Kunden, die möglicherweise ihr Konto in ein P-Konto umwandeln würden, loswerden oder an ihnen besser verdienen möchte? Jedenfalls kündigt sie für ihr Girokonto eine Gebührenerhöhung von 2,50 Euro auf zwölf Euro pro Monat an. Das berichtet das
Institut für Finanzdienstleistungen e.V. (IFF). Wer das
fast fünfmal so hohe Entgelt ablehnt, dem wird das Konto gekündigt.
Die meisten kostenlosen Girokonten in Deutschland sind an einen bestimmten Gehaltseingang gebunden und/oder werden per Online-Banking geführt – schlechte Bedingungen für die Ärmsten der Gesellschaft.
Traurig, dass es kein Recht auf ein Konto gibt. Aufwand und Kosten für ein
Guthabenkonto ohne Schnickschnack, das jedes Geldhaus gegen geringe oder keine Gebühren im Angebot haben müsste, dürften für Banken vergleichsweise gering sein („Peanuts“). Die Betroffenen sind ohne Konto jedoch von der Teilnahme am normalen Wirtschaftsleben abgeschlossen. (sf)
Neueste Kommentare
Mo, 06.09.2010 12:57
Mann Leute, lest doch mal genau! Da steht doch, dass der Blog kein Diskussionsbeitrag zu den Thesen von Sarrazin i [...]
Mo, 06.09.2010 12:53
Guten Tag, Meine bekannten und ich haben die gleiche Meinung wie Herr Sarrazin dieser Mann hat recht, nur unse [...]
Do, 02.09.2010 09:01
Die Antwort auf diese Fragen gibt Ayaan Hirsi Ali in ihrem neuen Buch "Nomad – From Islam to America". Da es noch [...]