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Mittwoch, 8. September 2010Wellness beim Banker
Wofür brauchen wir eigentlich eine Bank? Jetzt könnte man langweilig antworten, um Geld anzulegen, ein Girokonto zu führen oder einen Kredit aufzunehmen. Die Konditionen müssen dabei natürlich stimmen. Allerdings scheint das in unserer heutigen wellnessgeprägten Zeit – die zudem am liebsten in mediterranem Umfeld genossen wird – nicht genug zu sein. Deshalb rückt die ING-Diba bei ihrem neuen Werbeauftritt (wer hat da nicht schon den Claim „Dibadibadu“ im Ohr?) die Emotion mehr ins Zentrum.
Bislang stellte die Marketingabteilung in der Werbung mit Basketballstar Dirk Nowitzki vor allem dem Leistungsgedanken in den Vordergrund. Das soll auch weiter so bleiben. "Wir wissen aber auch, dass für viele Menschen unsere guten Zinsen und Konditionen allein nicht ausreichen, um sie von der ING-Diba zu überzeugen. Deshalb betonen wir jetzt zusätzlich zum Leistungsaspekt das gute Gefühl der ING-Diba Kunden, eine kluge Bankentscheidung getroffen zu haben", sagt Marketingleiterin Birgit Spors. Fast schon schade, dass Europas größte Direktbank keine Filialen betreibt, in denen man dann seine Bankgeschäfte in einem Whirlpool sitzend, einen Aperol Spritz trinkend, umgeben von Olivenbäumen im Austausch mit Gleichgesinnten erledigen könnte. (sf) Mittwoch, 1. September 2010Fünf Fragen zu Sarrazin
Auch am Tag drei des bundesweiten Sarrazin-Fiebers enthalten wir uns eines Diskussionsbeitrages. Denn eigentlich ist schon alles gesagt – nur noch nicht von allen...
Deshalb droht wohl auch ein weiterer TV-Auftritt von Thilo Sarrazin in der heutigen Sendung „Hart aber fair“. Angesichts dessen stellen wir uns indes einige Fragen:
Dienstag, 31. August 2010Zocken auf Kosten der Ärmsten
Erst die Wohnung und die Ersparnisse, dann das Essen. Finanzkrise und betroffenschwangeren Bekundungen zur Einschränkung von Spekulation seitens der Politik zum Trotz – gezockt wird weiterhin. Im Kasino herrscht Hochbetrieb. Nach US-Immobilien und in Anbetracht schwächelnder Aktienkurse setzen Spekulanten nun auf Rohstoffe – darunter auf Agrarrohstoffe wie Weizen und Reis, was für Entwicklungsländer drastische Folgen hat.
Der Weizenpreis ist von Anfang Juli bis Ende August um mehr als 70 Prozent gestiegen. Kostete die Tonne Weizen Anfang Juli noch etwa 160 US-Dollar, liegt der Preis nun bei über 280 Dollar. Zum Teil ist das durch steigenden Bedarf begründet. Immerhin wächst die Nachfrage nach Fleisch und Biosprit. Spekulanten machen jedoch munter mit. Und wenn die Preise nicht allmählich steigen, sondern Wetten sie sprunghaft anschwellen und fallen lassen, sie sich von der realen Ernte und dem Bedarf loskoppeln und es zuweilen lukrativer ist, Weizenvorräte vor sich hin gammeln zu lassen als dringend benötigt unters Volk zu bringen, wird das zu einem dramatischen Problem. „Wieso spekulieren Anleger ausgerechnet auf steigende oder fallende Preise bei Grundnahrungsmitteln - und machen so Rendite auf Kosten der Ärmsten?“ fragen Christian Teevs und Jan Willmroth in einem lesenswerten Artikel auf Spiegel online. Und daran schließt sich die Frage an: Was kommt als nächstes? Ob Gesundheitsminister Philipp Rösler mal darüber nachgedacht hat, dass sich im Gesundheitssystem auch allerhand Wettpotential findet? So könnte beispielsweise eine bestimmte Anzahl an Sprechstunden beim Arzt "leer" eingekauft und Termine für den vielgefragten Montag könnten teurer weiterverkauft werden. Wollen Patienten dann wegen erhöhter Praxisgebühr montags nicht mehr zum Arzt, könnten die Preise für einen Dienstagstermin in die Luft schnellen. (sf) Mittwoch, 18. August 2010Street-View gibt es schonTohuwabohu um Google-Streetview. Dabei gibt es den virtuellen Straßenbummel in Deutschland längst. Die Kölner Firma Sightwalk hat inzwischen sieben deutsche Großstädte aufgenommen. Deren Fotografen sind im Unterschied zu Googles Streetview sogar zu Fuß durch Fußgängerzonen marschiert. Auch hier sind Gesichter und Kfz-Kennzeichen unkenntlich gemacht. Groß aufgeregt hat das bislang niemanden. Erst jetzt geht’s dort richtig los mit den Einsprüchen. Und, wie man hört, steht Microsoft mit seinem Streetside bereits in den Startlöchern. Gerade wir Deutschen nutzen die moderne Landkarte Google-Maps, und damit auch Streetview, außerordentlich oft, im Gegensatz zu unseren Nachbarländern. Mit dem Datenschutz und dem Schutz der Privatsphäre nehmen wir es aber auch ganz besonders ernst, im Gegensatz zu unseren Nachbarländern. Wer da keinen Widerspruch wittert. (msch) Dienstag, 10. August 2010Spitzengehälter aus GEZ-Gebühren
Was bisher streng gehütet war, sind die Top-Gehälter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Immerhin ist jetzt der WDR so ehrlich und veröffentlicht erstmals die „Gagen“ seines Führungspersonals. Wie in der Financial Times Deutschland zu lesen ist, erhielt Intendantin Monika Piel im vergangenen Jahr 308.000 Euro erfolgsunabhängiges Gehalt. Einmalzahlungen wegen ihres Dienstjubiläums oder Sachbezüge für den Dienstwagen kommen noch dazu. Damit verdient die sie mehr als der Bundespräsident. Christian Wulff muss mit einem jährlichen Grundgehalt von 199.000 Euro auskommen. Jetzt sind wir gespannt, was die Kollegen vom NDR, SWR oder ZDF so verdienen. (msch)
Donnerstag, 29. Juli 2010Brüsseler Rettungstage - am 7. Mai wäre der Euro kollabiert
In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai stand unsere Währung vor dem Kollaps. Die Staats- und Regierungschefs der Eurostaaten tagten in Brüssel, Nicolas Sarkozy sah sich als „Retter“. Der britische Historiker Peter Ludlow hat nun die Szenen vom dramatischen Euro-Gipfel rekonstruiert.
Der Brüsseler Euro-Gipfel vom 7. Mai war ein sonderbares Ereignis. Die milliardenschwere Rettungsaktion für den Euro geschah in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai - die Menschen bekamen davon nichts mit. Im Gegenteil: Drei Tage gingen ins Land, bis den Bürgern in Europa klar wurde, dass ihre Währung offenbar zu kollabieren drohte. Das Ergebnis: Die Geburt eines gewaltigen, nie dagewesenen „Rettungspakets“ von gewaltigen 750 Milliarden Euro – Politiker, Medien und Bürger wurden von den Entwicklungen an den Finanzmärkten regelrecht überrollt. Der britische Historiker Peter Ludlow, Gründungsdirektor des namhaften Brüsseler „Centre for European Policy Studies“, hat nun eine Studie herausgebracht, die genau beschreibt, welche zum Teil heftigen Diskussionen vor und auf dem Gipfeltreffen geführt wurden („In the Last Resort. The European Council and the Euro Crisis, Spring 2010“, Eurocomment Briefing Note Vol. 7, Nr. 7/8). Ludlow ist ein alter Hase in Brüssel, seit Jahren verfasst er kenntnisreiche Berichte über die Treffen der Staats- und Regierungschefs. (wtw) Dienstag, 27. Juli 2010Wie entgehe ich der Datenraupe Facebook?
Ich facebooke, also bin ich. Mehr als eine halbe Milliarde Mitglieder hat das soziale Netzwerk inzwischen, sechs Jahre nach der Gründung. Fehlen noch rund 6,5 Milliarden Menschen rund um den Globus, aber Facebook ist auf einem guten Weg.
Schließlich bekommen schon Säuglinge ihr eigenes Profil von den netzaffinen Eltern angelegt, wehren können sich die Kleinen dagegen nicht. Künftige Klatschreporter werden es einfach haben, wenn sie die Kinderfotos frischgebackener Sternchen künftig bei Facebook nachschlagen können. Aussagen wie "Meine Nase war schon immer so gerade" sind dann einfach nachzuprüfen. Aber nicht nur Kleinkinder werden von der Datenraupe Facebook einverleibt, auch erklärte Facebook-Gegner sind nicht sicher. Die einzige Möglichkeit: Konsequent den Kontakt zu allen Facebook-Nutzern abbrechen. Denn anderenfalls könnten diese sich versucht sehen, Fotos hochzuladen und den erklärten Facebook-Abstinenten auf dem Bild zu markieren. Das Perfide: Er merkt es nicht einmal. Denn dafür müsste er ja Mitglied sein. Noch schlimmer sind Facebook-Nutzer-Freunde, die gleichzeitig ein Smartphone haben. Diese könnten in die Versuchung geraten, das sogenannte Facebook-App zu nutzen. In diesem Fall sind Sie verraten und verkauft. In den AGB heißt es: Wenn du diese Funktion aktivierst, werden alle Kontakte von deinem Handy (Name, E-Mail-Adresse, Telefonnummer) an Facebook gesendet und unterliegen dann den Datenschutzrichtlinien von Facebook. (…). Bitte stelle sicher, dass deine Freunde mit deiner Nutzung ihrer Daten einverstanden sind. Sind die Daten einmal im Netz, sind sie nicht mehr einfach zu entfernen. Damit sie gelöscht werden, muss man eine E-Mail schreiben oder das Kontaktformular nutzen. Klar oder? Zum Hochladen reicht eine kurze Synchronisation per Handy, zum Löschen muss man eine E-Mail aufsetzen. Dem Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar ist das zu bunt. Er hat ein Bußgeldverfahren gegen Facebook eingeleitet. Ob das was bringt? Wäre jedenfalls einfacher, als allen Facebook-Anhängern den Rücken zu kehren. Übrigens: Niemand zwingt einen, bei Facebook seinen wahren Namen anzugeben. Doch die Pseudonym-Outing-App kommt bestimmt. (cb) Donnerstag, 17. Juni 2010Aktienkurse jetzt wieder in D-Mark
Aufgrund der Eurokrise wünschen sich viele Anleger die D-Mark zurück. Ein Börsenportal kommt diesem Wunsch jetzt entgegen. Den Aktienkursen ist das Währungs-Hickhack egal.
Ökonomen und Anleger läuten die Totenglocken für den Euro und erwarten über kurz oder lang eine Rückkehr zur D-Mark. So zeigten sich in einer Umfrage des Anlegerportals börsennews.de knapp 40 Prozent der Nutzer überzeugt, das die Wiedereinführung der D-Mark nur eine Frage der Zeit sei. In das gleiche Horn bläst der ehemalige Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Hans-Olaf Henkel, der offen für die Abschaffung des Euro eintritt. Die findigen Macher von Börsennews.de scheinen ebenfalls dieser Ansicht und zeigen nunmehr „auf Wunsch vieler Bürger nach wirtschaftlicher Sicherheit“ die Aktienkurse auf ihrer Website sowohl in Euro als auch in D-Mark an. Ob die Portalbetreiber mit der dualen Währungsdarstellung für mehr Klarheit bei ihren Anlegern sorgen oder im Endeffekt nicht Verwirrung stiften, wird sich zeigen. Den Aktienkursen ist das doppelte Spiel reichlich egal: Sie fallen oder steigen gleich viel – egal in welcher Währung die Kursänderungen dargestellt werden. (mg) Montag, 7. Juni 2010Heute: StreichkonzertEs ist keinen Monat her, da schwadronierte man regierungsseitig noch über Steuersenkungen. Wie schnelllebig solche koalitionsvertraglich verankerten Absichten sind, zeigt der heutige Tag, an dem die "Regierungsklausur" endete. Denn heute war Streichkonzert: Elterngeld gekürzt, kein Elterngeld mehr für Hartz-IV-Bezieher, nationale ökologische Luftverkehrsabgabe (ein verkappter dritter Mehrwertsteuersatz?), kein Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger, Einfrieren des Weihnachtsgeldes für Beamte sind die wesentlichen Eckpunkte. Und, man achtet auf die Balance, eine vage Absichtserklärung, Banken an den Kosten der Krise zu beteiligen („Die Bundesregierung wird zügig die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Bankenabgabe schaffen...“). (mp) Dienstag, 1. Juni 2010Welche Länder schon Bankrott gemacht haben
Die Staatsschuldenkrise rund um Griechenland und die Turbulenzen um den Euro dauern an. Doch auch Spanien, Portugal, Irland und Italien sorgen zunehmend für Unruhe unter den Finanzmarktakteuren. Gänzlich neu sind solche Sorgen nicht, wie der Blick in die Geschichte zeigt, meint Bernhard Spittaler, Dachfondsmanager der Schoellerbank Invest AG:
Den ersten dokumentierten Staatsbankrott gab es bereits im 4. Jahrhundert vor Christus. Damals vermochten griechische Stadtstaaten Gelder, die ihnen ein Tempel geliehen hatte, nicht mehr zurückzuzahlen. In den letzten 200 Jahren hat Griechenland weitere fünf Pleiten erlebt. Russland war in dieser Zeitspanne ebenfalls ganze fünf Mal zahlungsunfähig. In der Türkei und Portugal stehen sechs, in Ungarn sieben, in Deutschland acht und in Spanien sogar dreizehn Staatspleiten zu Buche. Prominente Insolvente im Mittelalter und der frühen Neuzeit: England und Spanien Die englische Krone sorgte für den ersten großen Staatsbankrott in Europa. 1340 konnte der englische König Edward III. nach einer gescheiterten Frankreich-Invasion seine Schulden bei diversen italienischen Bankiers nicht mehr tilgen. 1672 stellte auch Karl II. aufgrund der enormen Außenstände die Zahlungen an die Gläubiger ein. Nach der Revolution von 1688 bildete sich in England ein durchaus erfolgreicher Anleihenmarkt heraus, welcher von sogenannten „Consols“ (ewige britische Staatsanleihen) geprägt war - wobei dieser sehr liquide Markt kriegsbedingt ebenfalls von sehr starken Schwankungen begleitet wurde. Ein wesentlicher Faktor, warum in der Vergangenheit das Vertrauen in die Finanzkraft anderer Staaten schon des Öfteren wankte, war eine stark steigende Geldmenge. So machten die Spanier im 16. Jahrhundert erste negative Erfahrungen mit dieser Thematik. Damals war Silber, das im ehemaligen Inkareich abgebaut und importiert wurde, ein von der Regierung häufig verwendetes Zahlungsmittel. Große Flotten von bis zu 100 Schiffen brachten das Edelmetall auf das spanische Festland. Die Könige ließen für ihre Eroberungskriege derart viel Silber fördern, dass es dramatisch an Wert verlor bzw. enorm an Kaufkraft einbüßte. Die Finanzprobleme Spaniens Spanien hatte im 16. und 17. Jahrhundert durchgängig ein mehr oder weniger großes Finanzproblem. Die Zahlungen an Gläubiger wurden in diesem Zeitraum neun Mal ganz oder teilweise eingestellt. Die Finanzgebarung war eine einzige Katastrophe. Von 1556 bis 1598 saß Philipp II. von Spanien am Ruder der Macht. Unter ihm waren bis zu 90 Prozent des Staatshaushaltes für Militärausgaben reserviert. Generell ist festzuhalten, dass sich Staaten in der Neuzeit immer wieder hoch verschuldet haben. In erster Linie dienten diese Defizite als Kriegsfinanzierung oder für das aufwändige Leben des jeweiligen Herrschers. Als Deutschland zahlungsunfähig wurde Deutschland war beispielsweise 1923 zahlungsunfähig. Die Ausgangspunkte für diesen Bankrott finden sich in sehr hohen Reparationszahlungen nach dem 1. Weltkrieg sowie in einer ungenügenden Besteuerung (höhere Einkommensschichten weigerten sich, die ihnen auferlegten Steuern zu bezahlen) und in übermäßigen Ausgaben für den öffentlichen Dienst wieder. Dies mündete in einer galoppierenden Inflation, zumal führende Politiker damals keinen Anlass sahen, die Geld- und Steuerpolitik zu stabilisieren. Um einen Einkauf zu erledigen, trugen die Bürger Millionen von Reichsmark in Schachteln mit sich herum. Als Notlösung kam es zur Auflage der Rentenmark. Wie bei jeder Geldentwertung profitierten auch damals grundsätzlich die Schuldner, während die Sparer fast vollständig auf der Strecke blieben. Asienkrise machte Russland zahlungsunfähig Im Zuge der Asienkrise 1997 kam Russland in Bedrängnis. Der stark gefallene Ölpreis brachte die Staatseinnahmen gehörig unter Druck. Die Auswirkungen der Asienkrise ließen Anleger damals befürchten, dass sich die Lage in Russland ähnlich entwickeln könnte, wie in den wirtschaftlichen Problemzonen Thailand, Malaysia, Indonesien und den Philippinen. Daraufhin kam es zu einem gewaltigen Kapitalabfluss und schließlich konnte Russland mehr als 40 Milliarden US-Dollar Schulden nicht mehr bedienen – der Rubel wurde um über 70 Prozent abgewertet. Wie Argentinien in die Pleite schlitterte Argentinien ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Land durch wirtschaftspolitisches Missmanagement in Schwierigkeiten kommen kann. Noch 1913 gehörte das südamerikanische Land zu den zehn reichsten Ländern der Welt. Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts war die Wirtschaft zeitweise schneller gewachsen als in den USA oder Deutschland. Ab 1945 hinkte Argentinien vielen anderen Ländern hinterher, so Spittaler. Der Hauptgrund lag in einer fast stetig hohen, hausgemachten Inflation von 1945 bis 1990 mit ihrem Höhepunkt von 5.000 Prozent im Jahr 1989. 1991 gab es in Argentinien mit dem neuen „Peso Convertible“ die sechste Währungsreform innerhalb von 100 Jahren. Auch diese Umschichtungsaktion war letztlich zum Scheitern verurteilt, da die Auslandsschulden in den 90er Jahren aufgrund der mangelhaften Haushaltspolitik immer stärker anstiegen, bis sich der Internationale Währungsfonds Ende 2001 weigerte, weitere Hilfsleistungen zur Verfügung zu stellen. Daraufhin kam es zu Zahlungseinstellungen. Ein Großteil der Gläubiger gab sich, wohl oder übel, mit einem Umtausch zufrieden, der ihr Vermögen um 67 Prozent beschnitt (im Fachjargon bezeichnet man diese Maßnahme als „Haircut“). (ejf) Dienstag, 18. Mai 2010Kein Konto, keine Chance
Rund eine halbe Million Deutsche leben ohne Bankkonto, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Das klingt vielleicht zunächst weniger erschreckend als so manche andere Zahl, wie beispielsweise die 2,4 Millionen Kinder in Deutschland, die laut Bundesfamilienministerium armutsgefährdet sind, oder die acht Millionen Deutschen, die nicht richtig lesen und schreiben können.
Ein Konto ist ja nichts essentielles. Oder doch? Auf der Abwärtsspirale nimmt man ohne Konto rasch an Fahrt auf: Denn welcher Arbeitgeber stellt schon jemanden ein, der bar bezahlt werden muss? Welcher Vermieter akzeptiert Mieter ohne Konto? Zudem ist das Leben ohne Bankkonto teuer: Jede Überweisung, die bei der Bank bar eingezahlt wird, kostet. Selbst die Bundesagentur für Arbeit behält Geld für die Barauszahlung ein. Eigentlich sollte es dieses Problem längst nicht mehr geben. Denn seit 1995 haben sich Banken und Sparkassen verpflichtet, ein Konto auf Guthabenbasis anzubieten. Doch nicht immer geht dies problemlos. Der Gesetzgeber hofft durch das ab Juli vorgeschriebene Pfändungsschutzkonto (P-Konto) Abhilfe zu schaffen, auf dem rund 1.000 Euro vor dem Zugriff von Gläubigern geschützt sind. Bislang kündigten Banken häufig „leere“ Konten. Besteht aber gar kein Konto mehr, hilft das neue Modell auch nichts. Ob wohl die Saalesparkasse noch kurz vor knapp ein paar Kunden, die möglicherweise ihr Konto in ein P-Konto umwandeln würden, loswerden oder an ihnen besser verdienen möchte? Jedenfalls kündigt sie für ihr Girokonto eine Gebührenerhöhung von 2,50 Euro auf zwölf Euro pro Monat an. Das berichtet das Institut für Finanzdienstleistungen e.V. (IFF). Wer das fast fünfmal so hohe Entgelt ablehnt, dem wird das Konto gekündigt. Die meisten kostenlosen Girokonten in Deutschland sind an einen bestimmten Gehaltseingang gebunden und/oder werden per Online-Banking geführt – schlechte Bedingungen für die Ärmsten der Gesellschaft. Traurig, dass es kein Recht auf ein Konto gibt. Aufwand und Kosten für ein Guthabenkonto ohne Schnickschnack, das jedes Geldhaus gegen geringe oder keine Gebühren im Angebot haben müsste, dürften für Banken vergleichsweise gering sein („Peanuts“). Die Betroffenen sind ohne Konto jedoch von der Teilnahme am normalen Wirtschaftsleben abgeschlossen. (sf) Montag, 3. Mai 2010Türkische Bank im Einsatz für die deutsche Sprache
Als Journalistin, die sich der Pflege der deutschen Sprache verpflichtet fühlt, kann einem bei mancher Marketing-Wortkreation und –Schreibweise schon mal ein eiskalter Schauer über den Rücken laufen.
Das wohl schönste Beispiel: Der Rucksack, der von einem Hersteller als „Body Bag“ beworben wurde, um ihm wohl ein frischeres Anmuten zu verpassen. Unglücklicherweise bedeutet der Begriff im englischen Sprachgebrauch jedoch „Leichensack“. An manch dämliches Denglisch hat man sich längst gewöhnt. Schließlich lebt die deutsche Sprache, verändert sich und auch in vergangener Zeit haben Sprachkritiker beispielsweise Entlehnungen aus dem Französischen bemängelt. Wer möchte aber heute noch zu einem köstlichen Baguette Stangenbrot sagen oder sein Auto in einem Autohäuschen statt in der Garage parken? Dennoch: Gerade die Namen, die so manche Bank ihren Konten verpasst, sorgen in unserer Redaktion regelmäßig für Kopfschütteln und für eine echte Herausforderung, sie in eine der deutschen Rechtschreibung verpflichtete Schreibweise zu überführen. Die Konten sind „super“ (Santander Direkt-Bank: „Tagesgeld SuperKonto“), bieten vorgeblich Top- oder noch mehr Zinsen (NIBC-Direct: Tagesgeld Mehr.Zins.Konto). Bei der indischen ICICI-Bank fragt man sich, ob das „Hi“ beim „HiZins Tagesgeld“ als Begrüßungsformel herhalten oder auf einen mehr oder minder hohen Zins deuten soll. Einen erfrischenden Schritt ist nun die türkische Ziraat-Bank gegangen: Aus ihrem „Ziraat@ctiveBanking (Tagesgeld)“ wurde das „Kombikonto“, aus dem „ZiraatFestgeld“ einfach „Festgeld“ und der „ZiraatWunschkredit“ zum „Ratenkredit“. Das könnte sich beispielsweise 1822 direkt, eine Tochter der Frankfurter Sparkasse, mit ihrem „Tagesgeld 1822direkt-ZinsCash“ zum Vorbild nehmen... (sf) Montag, 19. April 2010D-Mark jetzt!
Wie auch immer: Wer diese App nutzt, ist nÃcht nur mobil stets über die aktuellen Geldanlage-Zinsen informiert, sondern kann sich bei jedem Blättern durch die App-Sammlung an diesem Symbol für Stabilität und Wohlstand erfreuen. (wh) Mittwoch, 14. April 2010Zweifel an den GriechenDer Druck der Straße wurde zu groß: Nachdem in der vergangenen Woche bei den Anlegern erneut Zweifel an der langfristigen Zahlungsfähigkeit des europäischen Defizitsünders Griechenland aufkamen, schossen die Risikoaufschläge für griechische Staatspapiere wieder auf Rekordniveau. Der Pleitekandidat von der Ägäis muss am Kapitalmarkt für frisches Geld mit Rückzahlungstermin in zehn Jahren mehr als doppelt soviel zahlen wie der Schuldner Deutschland. Eine Einschätzung von Fitch verschärfte die Lage zusätzlich: Die Ratingagentur stufte die Kreditwürdigkeit Griechenlands mit der Note BBB- auf die letzte Stufe vor einer Ramsch-Anleihe herab. Euro-Politiker und Notenbanker versuchten die Märkte zu beruhigen: „Nach meinen vorliegenden Informationen ist ein Ausfall griechischer Staatskredite kein Thema", meldete sich etwa Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank zu Wort. Doch alle Beteuerungen halfen nichts – die EU-Finanzminister mussten handeln und die bereits vor Wochen grundsätzlich beschlossenen Finanzhilfen für Griechenland konkretisieren: 30 Milliarden Euro von EU-Mitgliedsstaaten plus weitere 15 Milliarden vom Internationalen Währungsfonds stehen nun zu Zinskonditionen um die fünf Prozent zum Abruf bereit. Die Zeche zahlen die starken Euroländer Das Rettungspaket war auch notwendig geworden, um den Abwertungsdruck vom Euro zu nehmen – doch langfristig könnte der nun eingeschlagene Weg teuer werden. In der Euro-Zone kämpfen eine ganze Reihe Mitgliedsländer mit ihrer enormen Staatsverschuldung. Sollte Griechenland zum Sündenfall werden, könnte in Zukunft die Bereitschaft anderer Defizitsünder spürbar sinken, aus eigener Kraft die Staatsfinanzen mit unpopulären Streich- und Sparkonzerten auf Vordermann zu bringen. Die Zeche zahlen die wirtschaftlich starken Euro-Länder, die mit Krediten aushelfen müssen und so langfristig selbst in die Bredouille kommen können. – auch private wie etwa Eigenheimer – aber werden spürbar eingeengt. Sobald die Konjunktur in Europa nachhaltig anspringt und Inflation wieder ein ernst zunehmendes Thema ist, werden die Refinanzierungskosten auch für die heute noch bonitätsstarken Länder wie etwa Deutschland deutlich ansteigen. Die höheren Kapitalmarktzinsen mögen Anleger noch erfreuen. Die Spielräume für Schuldner Alle warten mit der Zinswende Noch halten die Notenbanken weltweit still. Obwohl ihre Politik des billigen Geldes seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise längst die Gefahr einer gefährlichen Blasenbildung an den Aktien- und Anleihemärkten birgt, warten die Währungshüter mit der Zinswende. Europäische Zentralbank, Bank of England oder die US-Notenbank Federal Reserve: Die Leitzinsen bleiben bis auf Weiteres auf ihren historischen Tiefs. Daran wird sich vermutlich erst gegen Ende dieses Jahres etwas ändern – vorausgesetzt die zuletzt positiven Konjunktursignale in den USA und Europa halten, was sie versprechen. Bis dahin sollten Eigenheimer die Chance nutzen und ihr persönliches Kreditpaket schnüren. Laut Biallo-Index Baufinanzierung kostet ein klassisches Hypothekendarlehen mit zehn Jahren Laufzeit durchschnittlich nominal 3,82 Prozent. Das sind fast 1,5 Prozentpunkte weniger als unmittelbar vor Ausbruch der großen Krise im Sommer 2008. Montag, 12. April 2010Weniger ist oft mehrWas brauchen normale Kunden von einer Bank?" fragte Ben Tellings, der scheidende Chef der ING-Diba bei seiner letzten Pressekonferenz vor ein paar Tagen. Seine Antwort: gut verzinste Sparprodukte, günstige Raten- und Immobilienkredite, gute Fonds- oder Fondssparpläne möglichst ohne Ausgabeaufschlag und Depotgebühren. Ja und nein. Nein deswegen, weil es eben nicht Jedermanns Sache ist, seine Bankgeschäfte nur über das Telefon oder das Internet abzuwickeln. Warum soll man nicht auch die Möglichkeit haben, zu einer Filiale zu gehen, sich dort die Kontoauszüge auszudrucken und mit dem Bankangestellten zu plaudern. Recht hat er jedoch, wenn es um die Produkte geht. Ich habe die 50 längst überschritten, und habe einen gewissen Wohlstand erreicht. Das liegt sicher auch daran, dass ich mich immer um eine günstige Baufinanzierung bemüht habe, auch heute noch nur die Produkte kaufe, die ich verstehe. Ich bin auch noch nie auf den Gedanken gekommen, in eine Bank zu gehen, um mich dort beraten zu lassen. Die „Beratung" verdient diesen Namen in den allermeisten Fällen nicht. Das zeigen auch jüngste Tests immer wieder. Angeboten werden komplizierte Produkte, die nichts taugen, weil sie meist mit einer hohen Provision für den Banker ausgestattet sind. Geben Sie sich daher lieber mit weniger zufrieden. Also statt mit komplizierten Dingen mit einfachen wie einem Tagesgeldkonto, einem Sparbrief, einem Festgeld und günstigen Krediten. Und lassen Sie um Himmels willen die Finger weg von Dingen, die Sie nicht verstehen. (bia)
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Do, 09.09.2010 08:55
Ironischerweise frage ich mich, inwiefern die "Postbank" z.B. die emotionale Komponente im Rahmen ihrer Kundenakqu [...]
Mo, 06.09.2010 12:57
Mann Leute, lest doch mal genau! Da steht doch, dass der Blog kein Diskussionsbeitrag zu den Thesen von Sarrazin i [...]
Mo, 06.09.2010 12:53
Guten Tag, Meine bekannten und ich haben die gleiche Meinung wie Herr Sarrazin dieser Mann hat recht, nur unse [...]