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Dienstag, 31. August 2010Zocken auf Kosten der Ärmsten
Erst die Wohnung und die Ersparnisse, dann das Essen. Finanzkrise und betroffenschwangeren Bekundungen zur Einschränkung von Spekulation seitens der Politik zum Trotz – gezockt wird weiterhin. Im Kasino herrscht Hochbetrieb. Nach US-Immobilien und in Anbetracht schwächelnder Aktienkurse setzen Spekulanten nun auf Rohstoffe – darunter auf Agrarrohstoffe wie Weizen und Reis, was für Entwicklungsländer drastische Folgen hat.
Der Weizenpreis ist von Anfang Juli bis Ende August um mehr als 70 Prozent gestiegen. Kostete die Tonne Weizen Anfang Juli noch etwa 160 US-Dollar, liegt der Preis nun bei über 280 Dollar. Zum Teil ist das durch steigenden Bedarf begründet. Immerhin wächst die Nachfrage nach Fleisch und Biosprit. Spekulanten machen jedoch munter mit. Und wenn die Preise nicht allmählich steigen, sondern Wetten sie sprunghaft anschwellen und fallen lassen, sie sich von der realen Ernte und dem Bedarf loskoppeln und es zuweilen lukrativer ist, Weizenvorräte vor sich hin gammeln zu lassen als dringend benötigt unters Volk zu bringen, wird das zu einem dramatischen Problem. „Wieso spekulieren Anleger ausgerechnet auf steigende oder fallende Preise bei Grundnahrungsmitteln - und machen so Rendite auf Kosten der Ärmsten?“ fragen Christian Teevs und Jan Willmroth in einem lesenswerten Artikel auf Spiegel online. Und daran schließt sich die Frage an: Was kommt als nächstes? Ob Gesundheitsminister Philipp Rösler mal darüber nachgedacht hat, dass sich im Gesundheitssystem auch allerhand Wettpotential findet? So könnte beispielsweise eine bestimmte Anzahl an Sprechstunden beim Arzt "leer" eingekauft und Termine für den vielgefragten Montag könnten teurer weiterverkauft werden. Wollen Patienten dann wegen erhöhter Praxisgebühr montags nicht mehr zum Arzt, könnten die Preise für einen Dienstagstermin in die Luft schnellen. (sf) Donnerstag, 29. Juli 2010Brüsseler Rettungstage - am 7. Mai wäre der Euro kollabiert
In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai stand unsere Währung vor dem Kollaps. Die Staats- und Regierungschefs der Eurostaaten tagten in Brüssel, Nicolas Sarkozy sah sich als „Retter“. Der britische Historiker Peter Ludlow hat nun die Szenen vom dramatischen Euro-Gipfel rekonstruiert.
Der Brüsseler Euro-Gipfel vom 7. Mai war ein sonderbares Ereignis. Die milliardenschwere Rettungsaktion für den Euro geschah in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai - die Menschen bekamen davon nichts mit. Im Gegenteil: Drei Tage gingen ins Land, bis den Bürgern in Europa klar wurde, dass ihre Währung offenbar zu kollabieren drohte. Das Ergebnis: Die Geburt eines gewaltigen, nie dagewesenen „Rettungspakets“ von gewaltigen 750 Milliarden Euro – Politiker, Medien und Bürger wurden von den Entwicklungen an den Finanzmärkten regelrecht überrollt. Der britische Historiker Peter Ludlow, Gründungsdirektor des namhaften Brüsseler „Centre for European Policy Studies“, hat nun eine Studie herausgebracht, die genau beschreibt, welche zum Teil heftigen Diskussionen vor und auf dem Gipfeltreffen geführt wurden („In the Last Resort. The European Council and the Euro Crisis, Spring 2010“, Eurocomment Briefing Note Vol. 7, Nr. 7/8). Ludlow ist ein alter Hase in Brüssel, seit Jahren verfasst er kenntnisreiche Berichte über die Treffen der Staats- und Regierungschefs. (wtw) Donnerstag, 17. Juni 2010Aktienkurse jetzt wieder in D-Mark
Aufgrund der Eurokrise wünschen sich viele Anleger die D-Mark zurück. Ein Börsenportal kommt diesem Wunsch jetzt entgegen. Den Aktienkursen ist das Währungs-Hickhack egal.
Ökonomen und Anleger läuten die Totenglocken für den Euro und erwarten über kurz oder lang eine Rückkehr zur D-Mark. So zeigten sich in einer Umfrage des Anlegerportals börsennews.de knapp 40 Prozent der Nutzer überzeugt, das die Wiedereinführung der D-Mark nur eine Frage der Zeit sei. In das gleiche Horn bläst der ehemalige Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Hans-Olaf Henkel, der offen für die Abschaffung des Euro eintritt. Die findigen Macher von Börsennews.de scheinen ebenfalls dieser Ansicht und zeigen nunmehr „auf Wunsch vieler Bürger nach wirtschaftlicher Sicherheit“ die Aktienkurse auf ihrer Website sowohl in Euro als auch in D-Mark an. Ob die Portalbetreiber mit der dualen Währungsdarstellung für mehr Klarheit bei ihren Anlegern sorgen oder im Endeffekt nicht Verwirrung stiften, wird sich zeigen. Den Aktienkursen ist das doppelte Spiel reichlich egal: Sie fallen oder steigen gleich viel – egal in welcher Währung die Kursänderungen dargestellt werden. (mg) Dienstag, 1. Juni 2010Welche Länder schon Bankrott gemacht haben
Die Staatsschuldenkrise rund um Griechenland und die Turbulenzen um den Euro dauern an. Doch auch Spanien, Portugal, Irland und Italien sorgen zunehmend für Unruhe unter den Finanzmarktakteuren. Gänzlich neu sind solche Sorgen nicht, wie der Blick in die Geschichte zeigt, meint Bernhard Spittaler, Dachfondsmanager der Schoellerbank Invest AG:
Den ersten dokumentierten Staatsbankrott gab es bereits im 4. Jahrhundert vor Christus. Damals vermochten griechische Stadtstaaten Gelder, die ihnen ein Tempel geliehen hatte, nicht mehr zurückzuzahlen. In den letzten 200 Jahren hat Griechenland weitere fünf Pleiten erlebt. Russland war in dieser Zeitspanne ebenfalls ganze fünf Mal zahlungsunfähig. In der Türkei und Portugal stehen sechs, in Ungarn sieben, in Deutschland acht und in Spanien sogar dreizehn Staatspleiten zu Buche. Prominente Insolvente im Mittelalter und der frühen Neuzeit: England und Spanien Die englische Krone sorgte für den ersten großen Staatsbankrott in Europa. 1340 konnte der englische König Edward III. nach einer gescheiterten Frankreich-Invasion seine Schulden bei diversen italienischen Bankiers nicht mehr tilgen. 1672 stellte auch Karl II. aufgrund der enormen Außenstände die Zahlungen an die Gläubiger ein. Nach der Revolution von 1688 bildete sich in England ein durchaus erfolgreicher Anleihenmarkt heraus, welcher von sogenannten „Consols“ (ewige britische Staatsanleihen) geprägt war - wobei dieser sehr liquide Markt kriegsbedingt ebenfalls von sehr starken Schwankungen begleitet wurde. Ein wesentlicher Faktor, warum in der Vergangenheit das Vertrauen in die Finanzkraft anderer Staaten schon des Öfteren wankte, war eine stark steigende Geldmenge. So machten die Spanier im 16. Jahrhundert erste negative Erfahrungen mit dieser Thematik. Damals war Silber, das im ehemaligen Inkareich abgebaut und importiert wurde, ein von der Regierung häufig verwendetes Zahlungsmittel. Große Flotten von bis zu 100 Schiffen brachten das Edelmetall auf das spanische Festland. Die Könige ließen für ihre Eroberungskriege derart viel Silber fördern, dass es dramatisch an Wert verlor bzw. enorm an Kaufkraft einbüßte. Die Finanzprobleme Spaniens Spanien hatte im 16. und 17. Jahrhundert durchgängig ein mehr oder weniger großes Finanzproblem. Die Zahlungen an Gläubiger wurden in diesem Zeitraum neun Mal ganz oder teilweise eingestellt. Die Finanzgebarung war eine einzige Katastrophe. Von 1556 bis 1598 saß Philipp II. von Spanien am Ruder der Macht. Unter ihm waren bis zu 90 Prozent des Staatshaushaltes für Militärausgaben reserviert. Generell ist festzuhalten, dass sich Staaten in der Neuzeit immer wieder hoch verschuldet haben. In erster Linie dienten diese Defizite als Kriegsfinanzierung oder für das aufwändige Leben des jeweiligen Herrschers. Als Deutschland zahlungsunfähig wurde Deutschland war beispielsweise 1923 zahlungsunfähig. Die Ausgangspunkte für diesen Bankrott finden sich in sehr hohen Reparationszahlungen nach dem 1. Weltkrieg sowie in einer ungenügenden Besteuerung (höhere Einkommensschichten weigerten sich, die ihnen auferlegten Steuern zu bezahlen) und in übermäßigen Ausgaben für den öffentlichen Dienst wieder. Dies mündete in einer galoppierenden Inflation, zumal führende Politiker damals keinen Anlass sahen, die Geld- und Steuerpolitik zu stabilisieren. Um einen Einkauf zu erledigen, trugen die Bürger Millionen von Reichsmark in Schachteln mit sich herum. Als Notlösung kam es zur Auflage der Rentenmark. Wie bei jeder Geldentwertung profitierten auch damals grundsätzlich die Schuldner, während die Sparer fast vollständig auf der Strecke blieben. Asienkrise machte Russland zahlungsunfähig Im Zuge der Asienkrise 1997 kam Russland in Bedrängnis. Der stark gefallene Ölpreis brachte die Staatseinnahmen gehörig unter Druck. Die Auswirkungen der Asienkrise ließen Anleger damals befürchten, dass sich die Lage in Russland ähnlich entwickeln könnte, wie in den wirtschaftlichen Problemzonen Thailand, Malaysia, Indonesien und den Philippinen. Daraufhin kam es zu einem gewaltigen Kapitalabfluss und schließlich konnte Russland mehr als 40 Milliarden US-Dollar Schulden nicht mehr bedienen – der Rubel wurde um über 70 Prozent abgewertet. Wie Argentinien in die Pleite schlitterte Argentinien ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Land durch wirtschaftspolitisches Missmanagement in Schwierigkeiten kommen kann. Noch 1913 gehörte das südamerikanische Land zu den zehn reichsten Ländern der Welt. Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts war die Wirtschaft zeitweise schneller gewachsen als in den USA oder Deutschland. Ab 1945 hinkte Argentinien vielen anderen Ländern hinterher, so Spittaler. Der Hauptgrund lag in einer fast stetig hohen, hausgemachten Inflation von 1945 bis 1990 mit ihrem Höhepunkt von 5.000 Prozent im Jahr 1989. 1991 gab es in Argentinien mit dem neuen „Peso Convertible“ die sechste Währungsreform innerhalb von 100 Jahren. Auch diese Umschichtungsaktion war letztlich zum Scheitern verurteilt, da die Auslandsschulden in den 90er Jahren aufgrund der mangelhaften Haushaltspolitik immer stärker anstiegen, bis sich der Internationale Währungsfonds Ende 2001 weigerte, weitere Hilfsleistungen zur Verfügung zu stellen. Daraufhin kam es zu Zahlungseinstellungen. Ein Großteil der Gläubiger gab sich, wohl oder übel, mit einem Umtausch zufrieden, der ihr Vermögen um 67 Prozent beschnitt (im Fachjargon bezeichnet man diese Maßnahme als „Haircut“). (ejf) Montag, 17. Mai 20101,22 Dollar am MontagmorgenSo billig war er seit April 2006 nicht mehr - unser schöner Euro: Heute morgen notierte er bei 1,2237 Dollar. Tendenz fallend. Und so vermengen sich Schuldenkrise der Südstaaten, Ackermanns Griechenland-Anmerkungen, die "Wucht" des Notfallpakets, die Macht der Spekulanten zu einer immer schwierigeren Gemengelage. (mp) Montag, 19. April 2010D-Mark jetzt!
Wie auch immer: Wer diese App nutzt, ist nÃcht nur mobil stets über die aktuellen Geldanlage-Zinsen informiert, sondern kann sich bei jedem Blättern durch die App-Sammlung an diesem Symbol für Stabilität und Wohlstand erfreuen. (wh) Mittwoch, 14. April 2010Zweifel an den GriechenDer Druck der Straße wurde zu groß: Nachdem in der vergangenen Woche bei den Anlegern erneut Zweifel an der langfristigen Zahlungsfähigkeit des europäischen Defizitsünders Griechenland aufkamen, schossen die Risikoaufschläge für griechische Staatspapiere wieder auf Rekordniveau. Der Pleitekandidat von der Ägäis muss am Kapitalmarkt für frisches Geld mit Rückzahlungstermin in zehn Jahren mehr als doppelt soviel zahlen wie der Schuldner Deutschland. Eine Einschätzung von Fitch verschärfte die Lage zusätzlich: Die Ratingagentur stufte die Kreditwürdigkeit Griechenlands mit der Note BBB- auf die letzte Stufe vor einer Ramsch-Anleihe herab. Euro-Politiker und Notenbanker versuchten die Märkte zu beruhigen: „Nach meinen vorliegenden Informationen ist ein Ausfall griechischer Staatskredite kein Thema", meldete sich etwa Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank zu Wort. Doch alle Beteuerungen halfen nichts – die EU-Finanzminister mussten handeln und die bereits vor Wochen grundsätzlich beschlossenen Finanzhilfen für Griechenland konkretisieren: 30 Milliarden Euro von EU-Mitgliedsstaaten plus weitere 15 Milliarden vom Internationalen Währungsfonds stehen nun zu Zinskonditionen um die fünf Prozent zum Abruf bereit. Die Zeche zahlen die starken Euroländer Das Rettungspaket war auch notwendig geworden, um den Abwertungsdruck vom Euro zu nehmen – doch langfristig könnte der nun eingeschlagene Weg teuer werden. In der Euro-Zone kämpfen eine ganze Reihe Mitgliedsländer mit ihrer enormen Staatsverschuldung. Sollte Griechenland zum Sündenfall werden, könnte in Zukunft die Bereitschaft anderer Defizitsünder spürbar sinken, aus eigener Kraft die Staatsfinanzen mit unpopulären Streich- und Sparkonzerten auf Vordermann zu bringen. Die Zeche zahlen die wirtschaftlich starken Euro-Länder, die mit Krediten aushelfen müssen und so langfristig selbst in die Bredouille kommen können. – auch private wie etwa Eigenheimer – aber werden spürbar eingeengt. Sobald die Konjunktur in Europa nachhaltig anspringt und Inflation wieder ein ernst zunehmendes Thema ist, werden die Refinanzierungskosten auch für die heute noch bonitätsstarken Länder wie etwa Deutschland deutlich ansteigen. Die höheren Kapitalmarktzinsen mögen Anleger noch erfreuen. Die Spielräume für Schuldner Alle warten mit der Zinswende Noch halten die Notenbanken weltweit still. Obwohl ihre Politik des billigen Geldes seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise längst die Gefahr einer gefährlichen Blasenbildung an den Aktien- und Anleihemärkten birgt, warten die Währungshüter mit der Zinswende. Europäische Zentralbank, Bank of England oder die US-Notenbank Federal Reserve: Die Leitzinsen bleiben bis auf Weiteres auf ihren historischen Tiefs. Daran wird sich vermutlich erst gegen Ende dieses Jahres etwas ändern – vorausgesetzt die zuletzt positiven Konjunktursignale in den USA und Europa halten, was sie versprechen. Bis dahin sollten Eigenheimer die Chance nutzen und ihr persönliches Kreditpaket schnüren. Laut Biallo-Index Baufinanzierung kostet ein klassisches Hypothekendarlehen mit zehn Jahren Laufzeit durchschnittlich nominal 3,82 Prozent. Das sind fast 1,5 Prozentpunkte weniger als unmittelbar vor Ausbruch der großen Krise im Sommer 2008. Dienstag, 6. April 2010Vorsicht, raue ZeitenEin süßes Osterei hat der amerikanische Arbeitsmarkt den Anlegern ins Nest gelegt: 162.000 neue Jobs im März – so viele in einem Monat wie schon seit drei Jahren nicht mehr. Der US-Leitindex Dow Jones, das weltweit wichtigste Börsenbarometer, marschiert in Richtung 11.000-Punkte-Marke – und zieht die Aktiennotierungen rund um den Globus mit nach oben. Der Deutsche Aktienindex Dax hat in den vergangenen acht Wochen rund 15 Prozent zugelegt. Das niedrige Zinsniveau, glaubwürdige Maßnahmen der Griechen im Kampf gegen die drohende Staatspleite, positive Konjunkturdaten und die bevorstehende Berichts- und Dividendensaison dürften diesen Trend kurzfristig stützen. Aber nur, weil es keine renditestarken Alternativen gibt: Wer sich einige der kurstreibenden Faktoren genauer anschaut, schaltet einen Gang zurück und wappnet sich für rauere Zeiten an den Kapitalmärkten. Beispiel Arbeitsmarkt USA: Die überraschende Schub muss in den kommenden Monaten erst noch bestätigt werden, bevor sich ein Trend wirklich belegen lässt. Ein Teil der positiven Zahlen hat statistische Gründe, ein anderer ist durch saisonale Verschiebungen aufgrund des besonders harten Winters zu erklären. Auch andere Euro-Länder stecken im Schuldensumpf Beispiel Griechenland: Noch immer beträgt der Risikoaufschlag für Staatsanleihen der Südeuropäer mehr als drei Prozentpunkte. Verbuchen die Pleite-Griechen bei der Konsolidierung ihres Staatshaushaltes keine schnellen Erfolge, werden Anleger erneut fragen, ob das Land mittel- und langfristig in der Lage sein wird, seine Schulden zurückzuzahlen. Ohnehin ist Griechenland nur die Spitze des Eisberges. Längst stecken größere und wirtschaftlich bedeutendere Euro-Länder und EU-Mitgliedsstaaten tief im Schuldensumpf. Bei einer erneuten Zuspitzung der Lage dürften deutsche Staatsanleihen zunächst profitieren. Die höhere Nachfrage nach den vermeintlich sichersten Staatspapieren in Europa wird deren Kurse stützen und damit automatisch die Renditen weiter drücken. Die liegen mit rund 3,10 Prozent für zehnjährige Bundesanleihen bereits heute auf einem Niveau, das eher einer Rezession entspricht. Warum eigentlich? Viele Anleger trauen der Gemengelage nicht. Anders als in normalen Zeiten führt der rasante Kursanstieg an den Aktienmärkten bei den Anlegern nicht zu einer Depotumschichtung. Nach wie vor investieren sie viel Kapital in sichere und bonitätsstarke Staatsanleihen. Steigen dort die Kurse, sinken automatisch die Renditen. Nachhaltiger Aufschwung ist in weiter Ferne Ein nachhaltiger und sich selbst tragender Aufschwung ist nach Einschätzung der Märkte noch in weiter Ferne. Auch der vorübergehende Preisalarm in der Euro-Zone hat an dieser Einschätzung nichts geändert. Im März legte die Teuerungsrate um satte 1,5 Prozent zu. Doch offenbar beeinflusst dieser Anstieg nicht die Inflationserwartungen der Anleger. Tatsächlich liegt die sogenannte Kerninflation, also die Teuerung ohne Energie und Lebensmittel, deutlich niedriger und ist in den letzten Monaten sogar gesunken. Der starke Anstieg der Energiepreise dürfte aber kein Indiz für einen unmittelbar bevorstehenden Aufschwung in Deutschland und Europa sein. Der harte Winter und Lagerkäufe aus Schwellenländern wie etwa China, die Zinswende Ende des Jahres? Das Fazit für Anleger und Kreditnehmer: Die Zinswende lässt weiter auf sich warten und dürfte frühestens gegen Ende des Jahres spürbar werden. Bis dahin profitieren Anleger dank niedriger Inflationsraten von akzeptablen Realzinsen. Und Schuldner wie Eigenheimer mit Kapitalbedarf können sich mit Immobilienkrediten eindecken, die in den vergangenen 50 Jahren nur selten billiger zu haben waren. Laut Biallo-Index Baugeld kostet ein klassisches Hypothekendarlehen mit zehn Jahren fester Zinsbindung durchschnittlich nominal 3,82 Prozent. Top-Anbieter liegen noch 0,3 Prozentpunkte günstiger. Auch Kredite mit Laufzeiten über 15 oder 20 Jahre bleiben ein Schnäppchen. (peli) Montag, 1. März 2010Hinter der Fassade der islamischen Finanzethik
Vor ein paar Wochen hat der Baden-Württembergische CDU-Abgeordnete Reinhard Löffler mit hemmungsloser Naivität von der "islamischen Finanzethik" geschwärmt und das "scharia-konforme System samt Zinsverbot" gelobt. Aufschlussreiche Hintergrundinformationen zum Thema bietet ein Artikel von Udo Ulfkotte über einen islamischen Fonds, der keine Zinsen zahlen darf, aber 9,358 Prozent Rendite hat ... (wh)
Mittwoch, 27. Januar 2010Mir kennet älles, bloß net denka
In Baden-Württemberg kann man ja angeblich alles, außer Hochdeutsch. Dass es bei manchen Schwaben nicht nur an der Sprache, sondern auch am Denken hapert, zeigt ein Interview des dortigen CDU-Abgeordneten Reinhard Löffler mit evangelisch.de.
Dort lobt der Rechtsanwalt Löffler die "islamische Finanzethik" und verbreitet die Mär vom Zinsverbot im Islam: "Die moralische Verwahrlosung in unserem System hat uns an den Abgrund geführt ... Das scharia-konforme System samt Zinsverbot und strengen ethischen Regeln bei Derivaten und Warentermingeschäften dagegen hat die Krise weitgehend unbeschadet überstanden". Das Zinsverbot gibt es zwar im Islam nominell, doch sachlich betrachtet werden im "scharia-konformen" Finanzsystem genauso Zinsen erhoben wie im säkularen kapitalistischen System, nur dass das durch allerhand Tricks und Begriffsakrobatik heuchlerisch verschleiert wird. Und natürlich kommt es, wie es kommen muss: Reinhard Löffler bemüht in seinem Interview auch die abgeschmackteste und geistloseste aller Erklärungen für die sogenannte Finanzkrise - die Gier. "Die Todsünde Gier hat unserem Finanzmarkt enorm geschadet", urteilt Löffler über die durch das staatliche Geldmonopol und den Interventionismus verursachte Krise (siehe dazu z.B Arnold Klings Analyse „Not What They Had in Mind: A History of Policies that Produced the Financial Crisis of 2008“). Die von Politikern gewollte und geforderte Geldmengenausweitung durch die Zentralbanken hat zu einer Kreditpyramide geführt, die dann eingestürzt ist. "Der künstliche Boom, die Spekulationen und die moderen Finanzprodukte wurden erst durch das im Übermaß verfügbare ‚billige Geld’ attraktiv und in diesem Ausmaß möglich“, analysiert Michael von Prollius in seinem Buch "Die Pervertierung der Marktwirtschaft". Ohne diese verantwortungslose Politik des billigen Geldes hätten die Akteure noch so gierig sein können, sie hätten mangels eines Instruments nicht diesen Schaden anrichten können. Liest man die Liste der "Funktionen und Mitgliedschaften", die MdL Reinard Löffler auf seiner Internetseite veröffentlicht hat, kommt einem der Gedanken, ob es so etwas wie Pöstchen-Gier geben könnte. Neben seiner Arbeit als Abgeordneter ist er: - ehrenamtliche Tätigkeit im Kirchengemeinderat St. Clemens Stuttgart-Botnang und im Caritasrat, - Mitglied des Verwaltungsrats der Stuttgarter Philharmoniker, - Mitglied des Verwaltungsrats der Württembergischen Staatstheater Stuttgart, - Mitglied des Beirats des Linden-Museums, - Mitglied der Jury für den Hegelpreis der Landeshauptstadt Stuttgart, - Aufsichtsrat Landesmesse, - Aufsichtsrat SSB, - Lehrbeauftragter, - Direktor der IBM Deutschland GmbH, - Mitglied des Aufsichtsrats der Objektgesellschaft Schleyer- Halle und Neue Arena GmbH & Co. KG, - Mitglied des Aufsichtsrats der Landesmesse Stuttgart GmbH, - Mitglied des Aufsichtsrats der Stuttgarter Straßenbahnen AG, - Mitglied der Verbandsversammlung des Zweckverbands Filderwasserversorgung, - Mitglied der Verbandsversammlung des Zweckverbands Strohgäuwasserversorgung. Ob das „scharia-konform“ ist? (wh) Mittwoch, 27. Januar 2010„Fear the Boom and Bust“- Wirtschaftstheorie als Rap
In der Hotel-Schublade liegt statt des Neuen Testaments Keynes „General Theory of Employment, Interest and Money“, die Wirtschafts-Bibel unserer Politiker, die seit Jahrzehnten ihre missratene Politik danach ausrichten – von Roosevelt und Hitler bis zu Schmidt und Merkel.
Mit dieser herrlichen Idee beginnt das Video „Fear the Boom and Bust – a Hayek vs. Keynes Rap“ von John Papola und Russ Roberts. Papola ist Produzent und Regisseur am Broadway, Roberts ist Wirtschaftsprofessor an der George-Mason-Universität in Virginia. Es ist großartig, wie die beiden die Essenz der Theorien John Maynard Keynes’ (im Bild rechts) und Friedrich August von Hayeks in Reime gefasst und als Rap-Video inszeniert haben, z.B. im Refrain (den Text kann man hier mitlesen): Montag, 18. Januar 2010Blütezeit im JanuarDiesmal war es zwar kein Flick, aber ein Finck - August Baron von Finck, Miteigentümer der Mövenpick-(Hotel-)Gruppe -, der sich um die Pflege der Parteienlandschaft verdient gemacht haben soll. Eine Millionenspende der mit den Vorgenannten verflochtenen Düsseldorfer Substantia AG sollte der unterfinanzierten FDP, immerhin ja die Partei der Wirtschaftsexperten, ein wenig zur finanziellen Blüte verhelfen. Wir erinnern uns: Eines der tragenden Säulen des von der FDP forcierten Wachtumsbeschleunigungsgesetzes war die Senkung der Mehrwertsteuersätze für die Hotellerie von 19 auf sieben Prozent. Heute erfahren wir durch eine dankenswerte Klarstellung der FDP-Fraktionsvorsitzenden und Diplom-Verwaltungswirtin Birgit Homburger, die Millionenspende und die Steuersenkung  „hat absolut nichts miteinander zu tun“. Wer so formuliert, lässt vermuten, dass eher das Gegenteil des Gesagten der Fall ist. (mp)  Dienstag, 22. Dezember 2009Bankberater - eine Phantasiebezeichnung?Allmählich dämmert es auch den letzten Gutgläubigen, dass Menschen, die in Banken arbeiten nur in seltenen Ausnahmefällen die Berufsbezeichnung "Berater" verdienen. Regelmäßige Tests der "Beratungsleistung", wie zuletzt auch von Finanztest, zeigen wie unangebracht der Begriff eigentlich ist. Die Bezeichnung war wahrscheinlich als Durchgangsstadium notwendig, denn früher geisterte ja oft der noch schlimmere Begriff "Bankbeamte" umher. Damit sollte vermutlich das besondere Vertrauen in den Sparkassen-Sachbearbeiter vor Ort zum Ausdruck gebracht werden, das damals womöglich auch noch gerechtfertigt war. Diese Zeiten sind, das zeigen die zurückliegenden zwölf Monate sehr deutlich, lange vorbei - und hoffentlich bald auch die Verwendung des Begriffs "Berater" für Menschen, die schlicht und einfach Finanz- und Versicherungsprodukte verkaufen wollen. Warum nennen wir sie nicht einfach auch so? Schließlich geht man ja auch nicht zum "Mobilitätsberater" wenn man sich ein Auto kaufen will.  (mp)    Freitag, 16. Oktober 2009Ein Jahr Merkel-SchirmLetztes Jahr um diese Zeit drängten sich Banken und Anleger unter den sogenannten Merkel-Schirm: Die Garantieerklärung der Bundesregierung für Spareinlagen. "Hoffentlich rechnen die Leute nicht nach", dachte damals der (ehemalige) Wirtschaftsweise Bert Rürup, "denn kein Staat kann eine solche Garantie tragen", bekannte er jetzt auf dem Pension Day der Swiss Life AG in München. Bislang ist die Finanzkrise für viele ja glimpflich verlaufen. Dennoch: Umgerechnet bedeuten die Milliardenschäden nach einer aktuellen Studie weltweit für jeden Erdenbürger eine Last von 1.050 Euro. (mp) Dienstag, 13. Oktober 2009Bis 500.000 € keine wirklich Guten
Hilmar Kopper ("Peanuts"), einer der einfühlsamsten Bank-Manager der Republik, hat wieder verbal zugeschlagen. Unter dem Motto "Aus der Krise nix gelernt" kam der inzwischen als Aufsichtsratschef der HSH-Nordbank fungierende ehemalige Deutsche-Bank-Boss zu der Erkenntnis: "Für 500.000 Euro im Jahr bekommt man niemanden, der gut ist", so das Zitat einer Kopper-Äußerung in kleinem Kreise. Â
Da ja die meisten der deutschen Bank-Manager, die in der Krise satte Verluste erwirtschaftet haben, über dieser bankenspezifischen "Geringverdiener-Grenze" liegen, stellt sich die Frage: Wie teuer ist ein Bankmanager, der wirklich gut ist? (mp)
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Do, 09.09.2010 08:55
Ironischerweise frage ich mich, inwiefern die "Postbank" z.B. die emotionale Komponente im Rahmen ihrer Kundenakqu [...]
Mo, 06.09.2010 12:57
Mann Leute, lest doch mal genau! Da steht doch, dass der Blog kein Diskussionsbeitrag zu den Thesen von Sarrazin i [...]
Mo, 06.09.2010 12:53
Guten Tag, Meine bekannten und ich haben die gleiche Meinung wie Herr Sarrazin dieser Mann hat recht, nur unse [...]