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Mittwoch, 8. September 2010Wellness beim Banker
Wofür brauchen wir eigentlich eine Bank? Jetzt könnte man langweilig antworten, um Geld anzulegen, ein Girokonto zu führen oder einen Kredit aufzunehmen. Die Konditionen müssen dabei natürlich stimmen. Allerdings scheint das in unserer heutigen wellnessgeprägten Zeit – die zudem am liebsten in mediterranem Umfeld genossen wird – nicht genug zu sein. Deshalb rückt die ING-Diba bei ihrem neuen Werbeauftritt (wer hat da nicht schon den Claim „Dibadibadu“ im Ohr?) die Emotion mehr ins Zentrum.
Bislang stellte die Marketingabteilung in der Werbung mit Basketballstar Dirk Nowitzki vor allem dem Leistungsgedanken in den Vordergrund. Das soll auch weiter so bleiben. "Wir wissen aber auch, dass für viele Menschen unsere guten Zinsen und Konditionen allein nicht ausreichen, um sie von der ING-Diba zu überzeugen. Deshalb betonen wir jetzt zusätzlich zum Leistungsaspekt das gute Gefühl der ING-Diba Kunden, eine kluge Bankentscheidung getroffen zu haben", sagt Marketingleiterin Birgit Spors. Fast schon schade, dass Europas größte Direktbank keine Filialen betreibt, in denen man dann seine Bankgeschäfte in einem Whirlpool sitzend, einen Aperol Spritz trinkend, umgeben von Olivenbäumen im Austausch mit Gleichgesinnten erledigen könnte. (sf) Mittwoch, 1. September 2010Fünf Fragen zu Sarrazin
Auch am Tag drei des bundesweiten Sarrazin-Fiebers enthalten wir uns eines Diskussionsbeitrages. Denn eigentlich ist schon alles gesagt – nur noch nicht von allen...
Deshalb droht wohl auch ein weiterer TV-Auftritt von Thilo Sarrazin in der heutigen Sendung „Hart aber fair“. Angesichts dessen stellen wir uns indes einige Fragen:
Dienstag, 31. August 2010Zocken auf Kosten der Ärmsten
Erst die Wohnung und die Ersparnisse, dann das Essen. Finanzkrise und betroffenschwangeren Bekundungen zur Einschränkung von Spekulation seitens der Politik zum Trotz – gezockt wird weiterhin. Im Kasino herrscht Hochbetrieb. Nach US-Immobilien und in Anbetracht schwächelnder Aktienkurse setzen Spekulanten nun auf Rohstoffe – darunter auf Agrarrohstoffe wie Weizen und Reis, was für Entwicklungsländer drastische Folgen hat.
Der Weizenpreis ist von Anfang Juli bis Ende August um mehr als 70 Prozent gestiegen. Kostete die Tonne Weizen Anfang Juli noch etwa 160 US-Dollar, liegt der Preis nun bei über 280 Dollar. Zum Teil ist das durch steigenden Bedarf begründet. Immerhin wächst die Nachfrage nach Fleisch und Biosprit. Spekulanten machen jedoch munter mit. Und wenn die Preise nicht allmählich steigen, sondern Wetten sie sprunghaft anschwellen und fallen lassen, sie sich von der realen Ernte und dem Bedarf loskoppeln und es zuweilen lukrativer ist, Weizenvorräte vor sich hin gammeln zu lassen als dringend benötigt unters Volk zu bringen, wird das zu einem dramatischen Problem. „Wieso spekulieren Anleger ausgerechnet auf steigende oder fallende Preise bei Grundnahrungsmitteln - und machen so Rendite auf Kosten der Ärmsten?“ fragen Christian Teevs und Jan Willmroth in einem lesenswerten Artikel auf Spiegel online. Und daran schließt sich die Frage an: Was kommt als nächstes? Ob Gesundheitsminister Philipp Rösler mal darüber nachgedacht hat, dass sich im Gesundheitssystem auch allerhand Wettpotential findet? So könnte beispielsweise eine bestimmte Anzahl an Sprechstunden beim Arzt "leer" eingekauft und Termine für den vielgefragten Montag könnten teurer weiterverkauft werden. Wollen Patienten dann wegen erhöhter Praxisgebühr montags nicht mehr zum Arzt, könnten die Preise für einen Dienstagstermin in die Luft schnellen. (sf) Freitag, 27. August 2010Chance verpasst am GeldautomatNun diskutieren sie wieder heftig - die beiden Lager: Die Anhänger der Sparkassen und Volksbanken einerseits, die Anhänger der Privatbanken und Internetbanken andererseits. Aufhänger sind die Geldautomatengebühren für Fremdkunden. Manche Institute versuchen entweder mit horrenden Gebühren oder gar mit Sperrung der Automaten "Fremdkunden" abzuwimmeln. Komisch, versuchen doch gerade diese Banken normalerweise möglichst viel "Laufkundschaft" in ihre zahlreichen Filialen zu locken, entweder durch den altehrwürdigen Weltspartag oder, indem sie ihre Immobilien um die Filiale herum nur an publikumsträchtige Geschäfte vermieten, um deren Kunden für ihre Volksbank oder Sparkasse zu gewinnen. Oder auch durch das Herausstellen der "Beratungskompetenz". Mit den Geldautomaten locken Sparkassen und Volk- und Raiffeisenbanken sogar Nichtkunden in ihre Filialen. Beste Gelegenheit, müsste man denken, aus Nichtkunden Kunden zu machen. Stattdessen unternehmen die regionalen Platzhirsche möglichst viel, damit die Fremdkunden nicht wiederkommen - entweder durch, siehe oben, die Abschottung der Automaten für bestimmte Kreditkarten oder durch horrende Geldautomatengebühren für Nutzer fremder Girokarten. Logisch ist das nicht. (mp) Mittwoch, 18. August 2010Street-View gibt es schonTohuwabohu um Google-Streetview. Dabei gibt es den virtuellen Straßenbummel in Deutschland längst. Die Kölner Firma Sightwalk hat inzwischen sieben deutsche Großstädte aufgenommen. Deren Fotografen sind im Unterschied zu Googles Streetview sogar zu Fuß durch Fußgängerzonen marschiert. Auch hier sind Gesichter und Kfz-Kennzeichen unkenntlich gemacht. Groß aufgeregt hat das bislang niemanden. Erst jetzt geht’s dort richtig los mit den Einsprüchen. Und, wie man hört, steht Microsoft mit seinem Streetside bereits in den Startlöchern. Gerade wir Deutschen nutzen die moderne Landkarte Google-Maps, und damit auch Streetview, außerordentlich oft, im Gegensatz zu unseren Nachbarländern. Mit dem Datenschutz und dem Schutz der Privatsphäre nehmen wir es aber auch ganz besonders ernst, im Gegensatz zu unseren Nachbarländern. Wer da keinen Widerspruch wittert. (msch) Dienstag, 10. August 2010Spitzengehälter aus GEZ-Gebühren
Was bisher streng gehütet war, sind die Top-Gehälter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Immerhin ist jetzt der WDR so ehrlich und veröffentlicht erstmals die „Gagen“ seines Führungspersonals. Wie in der Financial Times Deutschland zu lesen ist, erhielt Intendantin Monika Piel im vergangenen Jahr 308.000 Euro erfolgsunabhängiges Gehalt. Einmalzahlungen wegen ihres Dienstjubiläums oder Sachbezüge für den Dienstwagen kommen noch dazu. Damit verdient die sie mehr als der Bundespräsident. Christian Wulff muss mit einem jährlichen Grundgehalt von 199.000 Euro auskommen. Jetzt sind wir gespannt, was die Kollegen vom NDR, SWR oder ZDF so verdienen. (msch)
Donnerstag, 29. Juli 2010Brüsseler Rettungstage - am 7. Mai wäre der Euro kollabiert
In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai stand unsere Währung vor dem Kollaps. Die Staats- und Regierungschefs der Eurostaaten tagten in Brüssel, Nicolas Sarkozy sah sich als „Retter“. Der britische Historiker Peter Ludlow hat nun die Szenen vom dramatischen Euro-Gipfel rekonstruiert.
Der Brüsseler Euro-Gipfel vom 7. Mai war ein sonderbares Ereignis. Die milliardenschwere Rettungsaktion für den Euro geschah in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai - die Menschen bekamen davon nichts mit. Im Gegenteil: Drei Tage gingen ins Land, bis den Bürgern in Europa klar wurde, dass ihre Währung offenbar zu kollabieren drohte. Das Ergebnis: Die Geburt eines gewaltigen, nie dagewesenen „Rettungspakets“ von gewaltigen 750 Milliarden Euro – Politiker, Medien und Bürger wurden von den Entwicklungen an den Finanzmärkten regelrecht überrollt. Der britische Historiker Peter Ludlow, Gründungsdirektor des namhaften Brüsseler „Centre for European Policy Studies“, hat nun eine Studie herausgebracht, die genau beschreibt, welche zum Teil heftigen Diskussionen vor und auf dem Gipfeltreffen geführt wurden („In the Last Resort. The European Council and the Euro Crisis, Spring 2010“, Eurocomment Briefing Note Vol. 7, Nr. 7/8). Ludlow ist ein alter Hase in Brüssel, seit Jahren verfasst er kenntnisreiche Berichte über die Treffen der Staats- und Regierungschefs. (wtw) Dienstag, 27. Juli 2010Wie entgehe ich der Datenraupe Facebook?
Ich facebooke, also bin ich. Mehr als eine halbe Milliarde Mitglieder hat das soziale Netzwerk inzwischen, sechs Jahre nach der Gründung. Fehlen noch rund 6,5 Milliarden Menschen rund um den Globus, aber Facebook ist auf einem guten Weg.
Schließlich bekommen schon Säuglinge ihr eigenes Profil von den netzaffinen Eltern angelegt, wehren können sich die Kleinen dagegen nicht. Künftige Klatschreporter werden es einfach haben, wenn sie die Kinderfotos frischgebackener Sternchen künftig bei Facebook nachschlagen können. Aussagen wie "Meine Nase war schon immer so gerade" sind dann einfach nachzuprüfen. Aber nicht nur Kleinkinder werden von der Datenraupe Facebook einverleibt, auch erklärte Facebook-Gegner sind nicht sicher. Die einzige Möglichkeit: Konsequent den Kontakt zu allen Facebook-Nutzern abbrechen. Denn anderenfalls könnten diese sich versucht sehen, Fotos hochzuladen und den erklärten Facebook-Abstinenten auf dem Bild zu markieren. Das Perfide: Er merkt es nicht einmal. Denn dafür müsste er ja Mitglied sein. Noch schlimmer sind Facebook-Nutzer-Freunde, die gleichzeitig ein Smartphone haben. Diese könnten in die Versuchung geraten, das sogenannte Facebook-App zu nutzen. In diesem Fall sind Sie verraten und verkauft. In den AGB heißt es: Wenn du diese Funktion aktivierst, werden alle Kontakte von deinem Handy (Name, E-Mail-Adresse, Telefonnummer) an Facebook gesendet und unterliegen dann den Datenschutzrichtlinien von Facebook. (…). Bitte stelle sicher, dass deine Freunde mit deiner Nutzung ihrer Daten einverstanden sind. Sind die Daten einmal im Netz, sind sie nicht mehr einfach zu entfernen. Damit sie gelöscht werden, muss man eine E-Mail schreiben oder das Kontaktformular nutzen. Klar oder? Zum Hochladen reicht eine kurze Synchronisation per Handy, zum Löschen muss man eine E-Mail aufsetzen. Dem Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar ist das zu bunt. Er hat ein Bußgeldverfahren gegen Facebook eingeleitet. Ob das was bringt? Wäre jedenfalls einfacher, als allen Facebook-Anhängern den Rücken zu kehren. Übrigens: Niemand zwingt einen, bei Facebook seinen wahren Namen anzugeben. Doch die Pseudonym-Outing-App kommt bestimmt. (cb) Donnerstag, 22. Juli 2010Klare Worte für Verbraucher
Schön transparent, leicht verständlich und verbraucherfreundlich sollten sie werden, die Bankgeschäfte. Ja, das war die Absicht der geistigen Väter und Mütter der Verbraucherkreditrichtlinie. Deshalb fing man bereits beim Namen an und führte diesen Vorsatz bei den Stellen fort, an denen man die einzelnen neuen Vorschriften versteckte. Man nannte es "Gesetz zur Umsetzung der Verbraucherkreditrichtlinie, des zivilrechtlichen Teils der Zahlungsdiensterichtlinie sowie zur Neuordnung der Vorschriften über das Widerrufs- und Rückgaberecht". Das ist doch schon mal ein unheimlich eingängiger Titel.
Und weil man gerade so in Fahrt war, verteilte man die neuen Vorschriften im Bürgerlichen Gesetzbuch, im Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch, im Unterlassungsklagengesetz, in der Schlichtungsstellenverfahrensordnung, im Bundesdatenschutzgesetz, in der Preisangabenverordnung, im Kreditwesengesetz, in der BGB-Informationspflichten-Verordnung und im Versicherungsvertragsgesetz. Natürlich wurde auch auf diverse Anhänge nicht verzichtet. Und dort wurde in schlichter Klarheit formuliert, zum Beispiel die Berechnung des effektiven Jahreszinses. Das liest sich dann so: "Bei Verträgen, bei denen die Sollzinsen vor der für die Rückzahlung bestimmten Zeit endet und nach deren Ende ein neuer, veränderlicher Sollzinssatz vereinbart wird, der in regelömäßigen Abständen nach einem vereinbarten Index oder Referenzzinssatz angepasst wird, wird angenommen, dass der Sollzinssatz nach Ablauf der Sollzinsbindung dem Sollzinssatz entspricht, der sich aus dem Wert des vereinbarten Indexes oder Referenzzinssatzes zum Zeitpunkt der Berechnung des effektiven Jahreszinses ergibt". So heißt es klar und verständlich in Anhang 2 dieses schönen Gesetzes. (mp) Dienstag, 20. Juli 2010Krake GEZDie Gebühreneinzugszentrale, kurz GEZ, ist uns zwar nicht lieb, aber zumindest teuer: 3,87 Euro zahlt jeder Gemeldete für die Arbeit der 1.125 Kölner Gebühreneintreiber, damit die öffentlich-rechtlichen Anstalten auch über die Mittel verfügen, um entgegen ihrem Sendungsauftrag sich weiterhin im Internet ausbreiten zu können. Rund 7,26 Milliarden Euro leitet die GEZ an die Öffentlich-Rechtlichen, damit diese sich den Großjournalisten Günter Jauch für knapp 4.500 Euro pro Minute leisten können. Und uns dennoch weiterhin in der an sich werbefreien Zeit mit "Diese Sendung wird präsentiert von..." nerven können. Die Zahlen hat übrigens das Medienmagazin "Journalist" zusammengetragen. (mp) Dienstag, 22. Juni 2010Bankenabgabe - ein Symbol?
Welchen Aussagewert Prognosen der Wissenschaft, also der Herren Sinn & Co haben, ist in Rückblicken hinreichend belegt - kaum einen. Dennoch sind Professoren gerne Gesprächspartner, so heute auch in der stets informativen Radiowelt von Bayern 2: Was er von einer Bankenabgabe halte, wurde Professor Rolf J. Langhammer vom Kieler Institut für Weltwirtschaft gefragt. Die Schweiz und England hätten solche Abgaben ja, sie hätten diesen Finanzplätzen auch nicht geschadet, referierte Langhammer. Um dann allerdings die gewagte Wendung zu nehmen, dass er eine Bankenabgabe in Deutschland für "Symbolpolitik" halte. Denn sie brächte ja allenfalls eine Milliarde Euro. Er hätte hinzufügen sollen: Aber das ist eine Frage der Perspektive... (mp) Â
Donnerstag, 17. Juni 2010Aktienkurse jetzt wieder in D-Mark
Aufgrund der Eurokrise wünschen sich viele Anleger die D-Mark zurück. Ein Börsenportal kommt diesem Wunsch jetzt entgegen. Den Aktienkursen ist das Währungs-Hickhack egal.
Ökonomen und Anleger läuten die Totenglocken für den Euro und erwarten über kurz oder lang eine Rückkehr zur D-Mark. So zeigten sich in einer Umfrage des Anlegerportals börsennews.de knapp 40 Prozent der Nutzer überzeugt, das die Wiedereinführung der D-Mark nur eine Frage der Zeit sei. In das gleiche Horn bläst der ehemalige Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Hans-Olaf Henkel, der offen für die Abschaffung des Euro eintritt. Die findigen Macher von Börsennews.de scheinen ebenfalls dieser Ansicht und zeigen nunmehr „auf Wunsch vieler Bürger nach wirtschaftlicher Sicherheit“ die Aktienkurse auf ihrer Website sowohl in Euro als auch in D-Mark an. Ob die Portalbetreiber mit der dualen Währungsdarstellung für mehr Klarheit bei ihren Anlegern sorgen oder im Endeffekt nicht Verwirrung stiften, wird sich zeigen. Den Aktienkursen ist das doppelte Spiel reichlich egal: Sie fallen oder steigen gleich viel – egal in welcher Währung die Kursänderungen dargestellt werden. (mg) Montag, 14. Juni 2010Aufhören!Aufhören - das wünschte man sich in der fußballerischen Betonzeit, als unter Erich Ribbeck die deutsche Nationalmannschaft eine wahre Dürrephase durchlitt. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei, seitdem "die Mannschaft" eine solche technische Virtuosität auf das gepflegte Grün zaubert, dass man geneigt ist, die Trikots mit dem deutschen Adler für Fälschungen zu halten. Nein, dass etwas aufhören möge, wünschen sich viele in den Medien an anderer Stelle: "Aufhören" betitelt der Spiegel heute seine aktuelle Ausgabe, auf der Kanzlerin und Vizekanzler zu sehen sind. Die Wirtschaftswoche titelt "Angela Merkel - war's das?".  Nur der Focus, der sich irgendwie auch als politisches Magazin versteht, rückt einen anderen wichtigen Aspekt unserer Gegenwart ins Blickfeld: "Hilfe für den Rücken" ist den Münchnern eindeutig wichtiger. Vielleicht aber doch eine Metapher für mehr "Rückgrat" (spina dorsalis) in der Politik? Damit hätten wir den Beweis, dass man in München auch durchaus feinsinnig sein kann. (mp) Donnerstag, 10. Juni 2010In der EndlosschleifeDa denkt man, es ist vorbei, da fängt es wieder von vorne an. So wie in der Endlosschleife ergeht es einem derzeit, wenn man nach Berlin blickt. Jedem pompös angekündigten Neuanfang der laut CSU-FDP-Einschätzung "Wildsau-Gurkentruppen"-Koalition folgt binnen weniger Tage der Rückfall. Diesmal traf es den ewigen Weinbauminister Rainer Brüderle, dessen "Nein" zur Opel-Subvention prompt von der Kanzlerin kassiert wurde. Das ist schon bitter: Da sagt einmal ein FDP-Minister etwas Richtiges - und dann ist es doch falsch. Schade nur, dass sich dieses Trauerspiel an der Spitze unseres Staates abspielt und nicht in irgendeiner Klitsche, die dann wegen Mißwirtschaft einfach Insolvenz anmeldet und von der Bildfläche verschwindet. Ich glaube, den wenigsten ist wirklich das Ausmaß des Schadens bewußt, den die Politik (und letztlich dieser Staat) in den vergangenen Wochen mit Bundespräsidenten-Rücktritt und anschließender Kandidaten-Geschacher, mit den zutiefst ungerechten Sparplänen, den koalitionsinternen Beschimpfungen, den ewigen Neuanfängen einer plan- und ziellosen Bundesregierung erlitten hat.    Wir halten uns hier normalerweise mit politischen Statements zurück. Aber ein Wunsch wird von Tag zu Tag stärker: Dass diese Endlosschliefe bald doch ein Ende haben möge. (mp)  Montag, 7. Juni 2010Heute: StreichkonzertEs ist keinen Monat her, da schwadronierte man regierungsseitig noch über Steuersenkungen. Wie schnelllebig solche koalitionsvertraglich verankerten Absichten sind, zeigt der heutige Tag, an dem die "Regierungsklausur" endete. Denn heute war Streichkonzert: Elterngeld gekürzt, kein Elterngeld mehr für Hartz-IV-Bezieher, nationale ökologische Luftverkehrsabgabe (ein verkappter dritter Mehrwertsteuersatz?), kein Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger, Einfrieren des Weihnachtsgeldes für Beamte sind die wesentlichen Eckpunkte. Und, man achtet auf die Balance, eine vage Absichtserklärung, Banken an den Kosten der Krise zu beteiligen („Die Bundesregierung wird zügig die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Bankenabgabe schaffen...“). (mp)
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